„Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (5. Mose 26,11) 

Ich stelle mir ein Motivationsseminar vor, in dem alle gemeinsam diesen Satz memorieren, der unser Monatsspruch für Februar ist. So als ob alles gut wird, wenn ich es mir nur oft genug sage. Und je länger ich das „Du sollst fröhlich sein“ sage, desto eher werde ich auch fröhlich?

Sie merken, das klingt für mich doch recht weltfremd und naiv. Also schauen wir uns den Vers aus dem 5. Buch Mose etwas genauer an, ob da nicht noch mehr drinsteckt.

Das ganze 5. Buch Mose zeichnet den Weg des Volks Israel nach – ein langer Weg mit Not und Fremdsein, Unterdrückung und Entbehrung. Schließlich folgen die Befreiung und ein neuer Anfang mit einer ersten Ernte im Gelobten Land. Die Ernte ist für die Menschen damals ein klares Zeichen von Gottes Gnade. Gott schenkt ihnen neues Leben. Sie wissen genau, diese Ernte ist kein Besitz, sondern ein Geschenk. Und in diese Situation wird gesagt: „Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“

Gott sorgt für die Menschen und sie sollen sich freuen. Der Begriff „fröhlich sein“ (hebräisch: saméach) bedeutet innere Freude und ist verwandt mit den Begriffen „Wachstum“ und „Aufblühen“. Man könnte also auch sagen, dass der Monatsspruch uns auffordert, zu wachsen und aufzublühen. Aber nicht, weil uns die Welt das so leicht macht, sondern weil bei allem, was in diesem Leben dunkel und hart ist, Gott uns trotzdem und immer wieder das schenkt, was wir lebensnotwendig brauchen. Er schenkt uns nicht das, was wir uns wünschen, sondern – oft unerwartet – etwas ganz anderes. Und es ist an uns, herauszufinden, wie wir mit den Geschenken Gottes wachsen und aufblühen können.

Vielleicht beginnen wir in der Passionszeit mit neuen Dankgebeten vor dem Essen oder mit einem Töpfchen Kresse-Samen, denen wir beim Wachsen zuschauen.

Alles muss klein beginnen – auch das fröhlich sein.

Ihnen allen eine gesegnete Passionszeit!

Ihre Pfarrerin Ivonne Heinrich