Estomihi

Text: Lk 10,38-42

Thema: Ich bin Marta, und wer sind Sie?

Ev. Emmausgemeinde Eppstein

Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Marta und Maria. Wir kennen die beiden. Immer wieder laden sie uns dazu ein, Maß an ihnen zu nehmen. „Ich bin Marta, und wer sind Sie?“

Lukas erzählt davon im 10. Kapitel des Evangeliums in den Versen 38-42. Zuvor erfahren wir, dass Jesus und die Jünger von Betsaida aus aufgebrochen sind. Der Ort am nordöstlichen Ufer des See Genezareths ist die Heimat von Petrus, Andreas und Philippus [vgl. Joh 1,44]. Jetzt aber führt sie Ihr Weg in ein Dorf – nach Betanien.

Die meisten Türen sind zu. Vor einer aber steht eine Frau, die sieht die Fremden nahen und lädt sie in ihr Haus ein. Das ist Marta – im Aramäischen bedeutet ihr Name so viel wie „Herrin“. Marta fackelt nicht lange, sie handelt und packt an. Sie ist, was man allgemein „tüchtig“ nennt. Und eh man sich’s versieht, ist sie auch schon in die Küche verschwunden und überlässt die Gäste ihrer Schwester Maria. Dreizehn Mann sind gekommen, da muss sie sich ins Zeug legen. Und bald duftet es aus der Küche nach frisch gebackenem Brot und dem Braten im Ofen.

Und Marta werkelt ganz selbstbewusst, sie weiß schließlich, wie’s geht und was zu tun ist. Schon bald werden die Speisen aufgetragen, dazu frisches Obst, süße Feigen und saftige Trauben und in großen Krügen der Wein.

38 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. 39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. 40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. [Lk 10,38-40a]

Maria sehen wir bei den Gästen. In der Mitte steht ein langer Tisch, drumherum Polster, auf denen sich Jesus und die Jünger gelagert haben. Ja, man liegt beim Essen und langt mit der Rechten zu, während man mit der Linken den Kopf aufstützt. Maria hat sich dazugelegt. Wir denken vielleicht: Warum denn nicht? Für uns ist das selbstverständlich, dass Männer und Frauen, Gastgeberin und Gäste zusammen essen. Aber die Leute im Dorf werden, sollten sie das mitbekommen, den Kopf schütteln und ihrer Phantasie freien Lauf lassen. „Das macht man nicht“!

Jesus kam mit den Seinen in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. [Lk 10,38-40a]

Das hat sie gut gemacht. Alle genießen den Braten, das frische Brot und den Wein dazu. Ja, Marta, kann was, sie ist eine gute Köchin und man schmeckt, dass sie mit Hingabe gekocht hat. Liebe geht durch den Magen.

Und Maria ist dabei. Ganz nah bei Jesus. Sie weiß, dass das manche kritisieren, aber es ist ihr gleichgültig. Nicht wichtig. Als Jesus kommt, weiß sie sofort, was sie will. Sie isst das Brot, das er mit den andern teilt, und trinkt den Wein und hört ihn reden, jedes Wort und seine Stimme. Jedes Wort gleicht einem Bissen Brot, ist wie ein Schluck Wein. Jedes Wort ein Stück Leben. Sie hört und hört mit offenen Ohren und weitem Herzen und kann sich nicht satt hören an seinen Worten. Und während sie bei ihm ist, ist sie ganz bei sich.

Marta und Maria. Zwei Schwestern. Zwei Leben und zwei Wege. Auch zwei Wege mit Jesus. Grundverschieden. Während Marta werkelt, denkt Maria vielleicht: „Marta, du machst deine Sache großartig, bist eine begnadete Köchin. Aber du verpasst das Beste! Hör doch auf zu fuhrwerken. Setz dich hin und hör zu. Hör ihn reden. Hör, was er sagt.

Und Marta? Die denkt wahrscheinlich: „Könntest mir wenigstens etwas zur Hand gehen, statt nur da zu liegen und zuzuhören. Warum kümmerst du dich nicht wenigstens um die Gäste, schaust, dass sie alles haben?“

40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! [Lk 10,40]

Und Jesus? Längst hat er den Unmut in Martas Gesicht erkannt. Und umgekehrt ist ihm nicht entgangen, wie Maria ganz für ihn da, für das, was er sagt und für den, der er ist. Und längst weiß er, dass sie beide ihn lieben, jede auf ihre Art. Hier schmeckt er es, merkt er, wie Marta alles für ihn tut. Dort sieht er Maria an seinen Lippen hängen, wie sie sich mit ihm und seinen Worten verbindet, wie diese sie immer tiefer berühren und sich mit ihr und ihrem Leben verbinden.

41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. 42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden. [Lk 10,41-42]

Eine hat gesprochen. Einer antwortet er. Gemeint hat er beide. Die beiden aber sind verschieden und so verschieden begegnen sie auch IHM. Sie tun, was sie können, machen, was ihres ist.

Ist das bei uns anders? Auch in der Gemeinde tun wir am besten das, was wir am besten können. Und wir tun’s mit Hingabe! Nicht weil wir dafür gelobt werden wollen und auf Anerkennung aus sind, sondern weil es unserem Zusammensein in der Gemeinde und unserer Zugehörigkeit zu unserem Herrn gut tut. Weil wir mit diesem Haus ein Zeichen setzen für IHN, darum bückt man sich, rupft das Wildkraut, hackt den festen Boden auf, setzt Blumenzwiebeln, schneidet Sträucher und Gehölz und mäht den Rasen beim Busch- und Beettag. Und deshalb stehen andere in der Küche, schnippeln und schneiden, rühren und pürieren, braten und backen, dass die Brückentafel reich gedeckt ist. Andere schreiben Texte, gestalten und organisieren, proben und üben ihr Instrument – und sei es die Stimme, wieder andere legen die Hand auf, beten, lesen die Losung und fragen in der Schrift nach Gott. Es ist gut, dass alle da sind. Es ist auch gut, dass sie sich hier treffen – wohl auch in diesem Gottesdienst. Und wie für die Sternlein wird gelten: „Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet.“ [Weißt du, wie viel Sternlein stehen]

Ich bin Marta, und wer sind Sie? Wichtig ist, dass wir Jesus zu uns einladen und ganz für ihn da sind.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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