Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen;
denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!

Hebr 13,3 

Wir befinden uns in der Zeit nach Jesu Tod und Auferstehung. Die ersten Christen haben sich heimlich getroffen. Schließlich waren sie aus Sicht der Römer die Anhänger eines Hochverräters des römischen Reiches. Es war eine gefährliche Zeit, um seinen Glauben zu leben. Diejenigen, die öffentlich, sich zu Jesus Christus bekannt haben, sind oftmals im Gefängnis gelandet.

Wenn der Hebräerbrief diesen Vers schreibt, der unser Monatsspruch ist, dann hat er ganz konkrete Menschen im Gefängnis vor Augen. Der Aufruf heißt, dass diejenigen, die gefangen sind und leiden, nicht vergessen werden. 

Diese Worte waren aber noch mehr als nur eine Erinnerung. Sie schweißten die damalige Gemeinde der Christen zusammen. Für die Menschen in Gefangenschaft war es tröstlich zu wissen, dass andere an sie denken und für Sie beten. 

Wenn wir heute diese Worte lesen, können wir sie nicht direkt in unsere Zeit übersetzen. Zumindest nicht hier in unserem Land. Aber die zentrale Aussage können wir sehr wohl übernehmen: „Vergesst nicht diejenigen, die ihr kennt und die gefangen sind oder leiden.“ Das bezieht sich auf Menschen, die vielleicht nicht aus dem Haus gehen können, die erkrankt sind oder Leid erfahren mussten.

Unsere Gemeinschaft in der Emmausgemeinde lebt davon, dass wir die Menschen neben uns sehen. Und dass wir merken, wenn einer fehlt. Es ist tatsächlich ganz selbstverständlich, darauf zu achten, wenn jemand mehrmals im Gottesdienst fehlt. Dann macht sich jemand auf den Weg zu einem Besuch oder zuerst zu einem Telefonat. Und die Freude ist groß, wenn der- oder diejenige wieder da ist. 

Auch im Hebräerbrief ging es nicht darum, die ganze Welt zu sehen, aber sehr wohl den Menschen neben sich.

Wir haben heute viele neue technische Möglichkeiten, aber eines ist immer noch sehr nötig: dem Menschen neben mir in die Augen zu schauen.

Ich wünsche uns allen einen offenen Blick für die Not unserer Zeit und das Zutrauen, dass wir in der Nachfolge Jesu Christi immer wieder neue Wege finden können.

Ihnen allen eine gesegnete Sommerzeit!

Pfarrerin Ivonne Heinrich