5. Sonntag nach Trinitatis

Text: 1. Kor 1,18-21
Thema: Nachfolge
Ev. Emmausgemeinde Eppstein
Prädikant Dr. Herbert Wagschal

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Der Predigttext aus dem 1. Korintherbrief ist ein kleiner Ausschnitt aus einem größeren thematischen Zusammenhang von Kap.1- Kap.4 mit den gegensätzlichen Begriffen:  Weisheit Gottes – Torheit der Welt und der Erkenntnis, dass die vermeintliche „Torheit Gottes“  die Weisheit der Menschen übersteigt.

Den Anlass zu diesen Überlegungen ist die dem Apostel Paulus zugetragene Nachricht aus Korinth, es gebe in der Gemeinde  einflussreiche Gruppen, die sich jeweils einem Apostel angeschlossen haben, also entweder nur den Ausführungen von Paulus oder von Apollos oder Kephas vertrauen und diesen  nachfolgen wollen (1,11.12).  Das führt zum Streit. Die Anhänger der einzelnen Apostel rühmten wohl ihre „Leitfigur“ als den Weisesten, den Klügsten, als den, den man am meisten vertrauen kann.

Paulus spricht davon, dass damit die Boten wichtiger werden als die Botschaft. Im Kap. 1.17, also im Korintherbrief noch vor dem heutigen Predigttext, ruft Paulus der ganzen Gemeinde in Erinnerung, dass Christus ihn gesandt hat, um „das Evangelium zu predigen- nicht nur mit weisen Worten, damit nicht das Kreuz Christi zunichte werde.“ Er stellt deutlich den gekreuzigten Christus als Dreh- und Angelpunkt des Evangeliums heraus, und nicht die Apostel.  Paulus möchte die Korinther davon abbringen, sich ihre Lieblingsapostel auszusuchen. Es geht ihm um das Wichtigste: Es gibt hier nichts auszusuchen, was gefällt. Es geht ihm um Christus, der offensichtlich doch verachtet war, ein Tor in den Augen der Menschen, die ihn ans Kreuz schlugen.

Der Predigttext aus dem 1. Korintherbrief ist ein kleiner Ausschnitt aus einem größeren thematischen Zusammenhang von Kap.1- Kap.4 mit den gegensätzlichen Begriffen:  Weisheit Gottes – Torheit der Welt und der Erkenntnis, dass die vermeintliche „Torheit Gottes“  die Weisheit der Menschen übersteigt.

So ist es auch mit dem Verwalter von dem Jesus erzählt (Lukas 16, 1-9).  Mit heutigen Worten könnte man es auch so zusammenfassen: Ein wegen Unfähigkeit kurz vor der Entlassung stehender Geschäftsführer überzeugt seine Gläubiger von seinem Können und seiner Stärke dadurch, dass er ihnen ihre Schulden erlässt. Sein Ruf ist ohnehin ruiniert, so fälscht er die Schuldscheine. Jesus lobt diesen Geschäftsmann dafür, klug gehandelt zu haben: „Macht euch Freunde mit dem Mammon.“  Diese Aussage sorgte vermutlich bei den Zuhörern schon seinerzeit für Empörung. Aber es nützt nichts, Jesus lobt den, der das Eigentum anderer und ihr redliches Mühen um die Rückzahlung von Schulden missachtet, um sich selber Vorteile zu verschaffen. Damit wird der Gegensatz von Weisheit und Torheit auf den Punkt gebracht oder besser gesagt: auf den Kopf gestellt.  Die Vorschläge von Jesus und damit auch Gottes Weisheit erscheinen den Zuhörern, ich denke: auch uns, als Torheit.

Aber die wichtige Erkenntnis ist: Gott ist unberechenbar, er steht nicht auf einer Seite. Er will keine Menschen, die von ihm erwarten, dass er wie ein Vorstandsmitglied einer Unternehmung (oder „seiner“  Kirche) handelt oder sich als Kunde einer Unternehmung oder der „Kirche“ einordnen lässt. Gott will kein „Geschäftspartner“ sein, der Ansprüche von Kunden vielleicht höher zu bewerten hat, als Ansprüche der Eigentümer.

Genau das tut der Geschäftsführer in unserem Gleichnis, der einigen Gläubigern Vorteile gewährt, anderen nicht.  Jesus führt das System von Schuldnern und Gläubigern, von ungleicher Besitzverteilung ad absurdum und nutzt seinerzeit bekannte Geschäftsvorfälle, um Gottes Torheit und Weisheit zu hinterfragen und klarzustellen. Es bleibt die Erkenntnis, dass die „Torheit Gottes“ anders zu bewerten ist, als die unterstellte Weisheit der Menschen. Gott ist unberechenbar, eben kein Teilnehmer unseres Lebens im Sinne von Geschäftsführer,  Mitarbeiter, Kunde oder auch kein Gläubiger.

Der Paulusbrief endet daher im Anschluss an den heutigen Predigttext (Kap. 15) mit dem Hinweis oder der Mahnung: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten.“ Diese Aussage überstrahlt am Ende alles. Das ist Hoffnung vor allem für die, die sich als die Dummen, als Toren  fühlen.

Gott ist und bleibt unberechenbar, er ist kein Schlussstein in einer Welt, die wir gestalten oder glauben, gestalten  zu können. Aber: Gott schickt uns auf interessante, oft auch anspruchsvolle Wege, und wir merken hoffentlich dabei, dass Gottes Weisheit unsere Torheit und unser Begreifen übersteigt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen