Laetare – 22.3.2020

Text: Jes 66, 10-14

Thema: Freude jetzt? Ja, Freude jetzt!

Ev. Emmausgemeinde Eppstein

Pfarrer Moritz Mittag

Vorspiel

Begrüßung

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. | Joh 12,24

Lied 396 – Jesu, meine Freude

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 84 – EG 734

Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! / Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; / mein Leib und Seele freuen sich / in dem lebendigen Gott. / Der Vogel hat ein Haus gefunden / und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – / deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott. / Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; / die loben dich immerdar. / Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten / und von Herzen dir nachwandeln! / Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, / und Frühregen hüllt es in Segen. / Sie gehen von einer Kraft zur andern / und schauen den wahren Gott in Zion. / Herr, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; / vernimm es, Gott Jakobs! / Gott, unser Schild, schaue doch; / sieh doch an das Antlitz deines Gesalbten! / Denn ein Tag in deinen Vorhöfen / ist besser als sonst tausend. / Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause / als wohnen in der Gottlosen Hütten. / Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre. / Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. / Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt! /

Kommt, lasst uns anbeten!

Gloria patri

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Sündenbekenntnis

Mir geht’s gut, und ich höre mich klagen. Ich habe, was ich brauche, und meine, mir fehlte etwas. Ich weiß, was zu tun ist, und möchte machen, was ich will.

Herr, erbarme dich!

Kyrie

Herr, erbarme dich; Christe, erbarme dich; Herr, erbarm’ dich über uns!

Gnadenzuspruch

Wirf dein Anliegen auf den Herrn; der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen. [Ps 55,23]

Lobsinget dem Herrn, erhebet seinen Namen!

Gloria

Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden Fried’, den Menschen ein Wohlgefallen.

Salutatio

Der Herr sei mit euch! – Und mit deinem Geist.

Gebet

Wir sind alle zuhause, Herr.

Es ist Sonntag, und wir wären so gerne zusammen bei Dir. Darauf müssen wir in diesen Wochen verzichten.
Wir spüren, wie wichtig uns das geworden ist: Die Begegnungen am Sonntag, die Aufmerksamkeit, die wir genießen, das Miteinander im Hören, Singen, Beten und Feiern.

Hilf uns, dass wir uns jetzt zuhause nicht verlassen fühlen. Lass uns spüren, wie wir trotzdem zusammenhalten.

Schenke uns Freude an diesem Sonntag, auch wenn sie klein ist oder leise, und hilf uns sie zu spüren und zu achten. Amen.

Evangelium Joh 12,20–24

20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. 21 Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. 22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. 23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. – Halleluja

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde; und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn. Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes. Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Lied 398             In dir ist Freude

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Freude!? Jetzt? Ja! Freude jetzt!

Seit Brennpunkte unsere Abende und das Leben im Land in Zeiten des Corona-Virus beleuchten, ist es mit der Freude nicht weit her. Zumindest wenn man von denen absieht, die mit ihrer „Korona“ – so nannten wir einst eine Gruppe Jugendlicher – um die Ecken gezogen sind. Die meisten anderen haben bangen Blickes die Entwicklung verfolgt, die die Fallzahlen in die Höhe schießen und die Börsenkurse in den Keller gehen lässt. In der angenehmen Lage, zwischen freiwilligem Rückzug ins Private oder angeordneten Ausgangsbeschränkungen wählen zu können, haben wir uns für den freiwilligen Rückzug entschieden. Ein Gebot der Vernunft.

Gleichwohl macht das Geschehen etwas mit uns. So ausgeliefert zu sein, so machtlos und so ins Ungewisse gehend kennen wir uns nicht. Ja, wir sind aus der Komfortzone einer vielleicht oft allzu hedonistischen[1] Wohlstandsgesellschaft auf den harten Boden einer Wirklichkeit mit existentiellen (In-)Fragestellungen angekommen.

Die Reaktionen darauf fallen, wie zu erwarten, unterschiedlich aus. Viele – wir auch – richten sich in ihren vier Wänden ein und schränken ihre direkten Kontakte ein. Vorräte wurden angelegt, in manchen Fällen so, als wolle man es mit Joseph und dem Pharao aufnehmen [vgl. 1. Mose 41]. (Welche Sicherheiten man sich wohl von Toilettenpapier erhofft? „Auf diese Rollen kann man bauen…“ Was?) Manche scheinen aber auch die Erregung zu genießen, aus der heraus sie sich vielleicht Außerordentliches erhoffen. Endlich mal was los. Nicht zu reden, von denen, die es nicht kapiert haben, dass man hier in einem Boot sitzt. Und wer immer seine Tragfähigkeit sabotiert, sei er jung und stark, sei er egoistisch oder nur dumm, riskiert mit ihm unterzugehen.

Unsere Gedanken und Gespräche kreisen um die Fragen: Wie lange wird dieser Zustand andauern? Wann werden wir wieder rauskommen? Aus den vier Wänden? Aus der Krise? Und wie wird die Welt aussehen, wenn das Virus sie heimgesucht haben wird? Werden wir uns noch auskennen? Werden wir sie noch wiedererkennen?

Dass wir so denken und fragen können, zeigt mir, wie gut es uns geht – trotz allem. Sind das alle unsere Sorgen? Gewiss, es gibt unter uns auch die, die mit altem und neuem Elend direkt und erschütternd konfrontiert sind. Ja, es wird gelitten und gestorben und getrauert auch in diesen Zeiten des Rückzugs. Aber den meisten von uns geht es gut. Ist das ein Grund zur Freude!? Jetzt? Ja! Freude jetzt!

Gibt es nicht immer Gründe, der Freude zu entsagen? Und umgekehrt Gründe, die Freude zu leben? Der Frühling. Das Töchterchen, das angefangen hat zu lächeln. Das Leben, auf das ich dankbar zurückblicke. Die Kraft, die mir jugendlich frisch zu Gebote steht. Die lachende Sonne.

Freude!? Jetzt? Ja! Freude jetzt!

Wäre ich Prophet, zum Beispiel Jesaja, würde ich auch so reagieren. Obwohl dessen Zeitgenossen wissen ein Land und eine Stadt, ihr Jerusalem, in Trümmern. Der Krieg und die nachfolgende Deportation vieler Menschen an die Ufer von Euphrat und Tigris haben ihre Spuren hinterlassen. Nicht nur materielle, wie zerstörte Häuser und brachliegende Ackerflächen, sondern auch gesellschaftliche und seelische. Die über lange Zeiten gewachsenen gesellschaftlichen Strukturen waren über Nacht wie weggewischt. Oben und unten, arm und reich, mächtig und machtlos – nach dem Desaster war nichts mehr wie zuvor. Verunsicherung und Angst, auch Angst vor der Zukunft dürften die Menschen heimgesucht haben.

Aber jetzt hat sich der Sturm verzogen. Jetzt wird man zurückkehren können. Jetzt wird man Babylon den Rücken kehren und die Zukunft in der alten Heimat suchen dürfen. Die Hoffnung, die zwischenzeitlich nur schwer hochzuhalten gewesen war, bekommt neuen Auftrieb. Das braucht’s auch, denn der Weg ist noch weit und die Aufgaben werden gewaltig sein.

So wie der Sonntag Laetare unter den Sonntagen der Passionszeit mit seinem Impuls zur Freude wie eine Insel im Meer herausragt, so leuchten die Worte und Visionen des Propheten in der Dunkelheit der Gegebenheiten auf. Es ist nicht alles schlecht. Es ist nicht alles hoffnungslos. Nein, es gibt einen Ausblick und es gibt einen Ausweg!

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! [Jes 66,10]

Was werden Jesajas Landsleute sich unter der Stadt zwischen Zion und Tempelberg vorstellen? Werden sie mit ihr nicht nur Mauern und Gassen verbinden, sondern ein Leben fern der Gefangenschaft? Endlich frei von Gängelung und Zumutung. Und sogar besser, als es die Stadt und ihre Bewohner zuvor gewesen waren, wird die Stadt sein, „die ihr [….] lieb habt“.

Darum: „Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid“ [Jes 66,10].

59 Jahre lang hatten die Deportierten in der Fremde gelebt.  Das sind ungefähr zwei Generationen. Welche Vorstellungen werden sie nun in sich tragen? Es können nur solche sein, die ihnen von Leuten wie Jesaja ans Herz gelegt worden waren. Wichtiger noch als das, sind die Worte und Bilder, die von dem erzählen, der sie begleitet und erhält: Ihr Gott. Wie eine Mutter sorgt er sich um sein Volk, sagt Jesaja. Wie eine Mutter gibt er seinen Kindern das, was sie brauchen:

„Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust“ [Jes 66,11].

Die unter dem Joch des Krieges gelitten und als Verlierer alles drangeben mussten, erfahren durch den Mund des Propheten:

„Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen“ [Jes 66,12].

Gott schafft seinem Volk Recht, etwas, was man selbst nicht durchsetzen und verwirklichen konnte. Er sagt:

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden“ [Jes 66,13].

Es gibt noch mehr als das, was wir selbst machen können. Es gibt noch mehr als das, was in unserer Macht steht.

Es gibt noch mehr als wir uns vorstellen können.

„Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden“ [Jes 66,14].

Laetare, da ist Ostern nicht weit. Das Leben wird neu. Gott hat dafür gesorgt, ganz anders als Menschen sich das vorstellen konnten oder wollten. ER ist Mensch geworden und ist den Weg alles Irdischen gegangen. Dessen Zorn wir fürchten, nimmt all das uns zugut auf sich. Leid, Schmerz und Tod – aber dabei bleibt es nicht. Der Gekreuzigte steht auf in ein neues Leben.

„Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras“ [Jes 66,14].

Freude!? Jetzt? Ja! Freude jetzt!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied 243            Lob Gott getrost mit Singen

Fürbittengebet

Guter Gott, wir haben viel zu beten und zu bitten. Wir danken Dir aber auch, dass wir mit all dem zu Dir kommen dürfen, was uns bewegt. Höre uns und wende Dich nicht von uns ab!

Wir beten für die Kranken und ihre Angehörigen. Die, die jetzt in Vergessenheit zu geraten drohen und die, die ein Opfer der Epidemie geworden sind. Dass sie Hilfe finden und Zuwendung. Dass sie zum Vertrauen finden, dass Du für sie da bist im Leben und im Sterben.

Wir beten für die Menschen, die für uns sorgen. Die an der Kasse sitzen oder die Regale auffüllen, die in den Arztpraxen, den Kliniken und Hilfsorganisationen dem Andrang von Ängsten, Sorgen und Krankheit standhalten. Dass sie aushalten, dass ihnen Kräfte zukommen, dass Du ihnen Deinen Geist schenkst, den Geist der Liebe, des Trostes und der Zuversicht.

Wir beten für unsere Freunde in Italien. Wir sehen das Elend und die Not in Bergamo und anderen Orten besonders in der Lombardei. Sei mit den Menschen dort, denen, die um das Leben anderer kämpfen, denen, die ihr Leben verlieren und denen, denen die Nächsten genommen werden.

Wir beten still.

Stilles Gebet

Vater unser im Himmel / Geheiligt werde dein Name. / Dein Reich komme, / dein Wille geschehe, / wie im Himmel, so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute. / Und vergib uns unsere Schuld, / wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. / Und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn dein ist das Reich / und die Kraft und die Herrlichkeit / in Ewigkeit. Amen.

Lied 613            Freunde, dass der Mandelzweig

Mitteilungen

Für eine Kollekte kann ich heute nicht danken. Irgendwo, wo man auf sie hoffen konnte, wird sie fehlen.

Aber danken kann ich für so viel Gutes, das in der vergangenen Woche zum Vorschein. Unterstützung, Hilfsangebote, Zuspruch, Engagement, Zusammenhalt, viel „Wir“.

Und darum bitte ich Sie auch: Das „Wir“ zu denken und mit Leben zu füllen.

Ganz praktisch:

Indem wir an die denken, die es in diesen Tagen besonders hart trifft. 

Indem wir zum Telefon greifen und dabei besonders an die denken, die allein leben und in Isolation zu geraten drohen.

Indem wir die Wahrung der Distanz als gebotenen Ausdruck der Nähe und der Verantwortung füreinander begreifen.

Indem wir den Einkaufsservice in Anspruch nehmen, damit wir weniger Risiko eingehen und die Zahl derer reduzieren, die einkaufen gehen.

Zur Bestellung genügt der Anruf im Gemeindebüro mo-fr zwischen 9 und 11 h.

Wir freuen uns auf den Tag, an dem wir uns wieder im Gottesdienst begegnen werden.

Und noch was – bis dahin läuten wir abends um 19 h und sonntags um 12 h, denn wir wissen: Beten verbindet!

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. / Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir / und sei dir gnädig. / Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Amen, amen, amen.

Orgelnachspiel


[1] Hedonistisch – hier im Sinne einer primären Orientierung an Freude, Vergnügen, Lust, Genuss und sinnlicher Begierde. „Spaß“ ist das Wort unserer Zeit dafür.