„Jesus versammelte die Zwölf um sich und sagte zu ihnen: Siehe, wir gehen nach Jerusalem hinauf; und es wird sich alles erfüllen, was bei den Propheten über den Menschensohn geschrieben steht.| Lk 18,31

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Auslegung zum Wochenspruch

Jetzt wird es ernst…..….

Der Wochenspruch für diese Woche stammt aus dem Lukas-Evangelium und lautet:

Jesus versammelte die Zwölf um sich und sagte zu ihnen: „Siehe, wir gehen nach Jerusalem hinauf; und es wird sich alles erfüllen, was bei den Propheten über den Menschensohn geschrieben steht.“

Jetzt wird es ernst – So würde ich den Wochenspruch heute interpretieren, wohlwissend, was in den nächsten Zeilen noch folgen wird. Denn es geht um nichts anderes, als dass Jesus seine Jünger darauf vorbereitet, was in den nächsten Tagen mit ihm passieren wird. Sie verstehen es nicht – sie können nicht einordnen, dass er über sich und seinen nahenden Tod spricht und auch noch Details verrät, was sich in den nächsten Tagen ereignen wird,welche Begegnungen er noch erleben wird – auf seinem Weg zum Kreuz  – und damit zu seinem sicheren Tod.

Dieser Weg wird also anders sein – anders als die Wege, welche die Jünger bisher mit ihrem Herrn gewohnt waren, zu gehen.

Manche Wege müssen gegangen werden. Da hilft alles Nichts. Es gibt Situationen, da hilft kein Zaudern, kein Seufzen, kein Weglaufen, kein Aussitzen, kein Vor-sich-Herschieben. Es gibt jetzt nur die eine Richtung, die Jesus nehmen möchte.

Aus der Forschung über menschliche Verhaltensweisen weiss man, dass auch die hochentwickelten Menschen heute ihre Reaktion auf drohende Gefahren auf nur drei tief verankerte, qausi instiktive, Verhaltensweisen herunterbrechen können. Sie basiert auf den Gewohnheiten, wenn in der Höhle des Ur-Menschen der Säbelzahntiger aufgetaucht ist. Der Mensch kann kämpfen, flüchten oder sich totstellen. Beim Totstellen hofft er, dass er nicht entdeckt wird oder der Feind kein Interesse mehr hat. Vielleicht weil er nicht mehr gesehen wird oder weil eine andere, für den Feind lohnendere Beute aufgetaucht ist. Totstellen kann auch mit „resignieren“ übersetzt werden – sich in sein Schicksal ergeben, ohne Hoffnung oder Zuversicht. Es einfach geschehen lassen. Bei der Flucht hofft der Mensch, schneller oder geschickter zu sein, um seinem Feind zu entkommen. Und klar, beim Kampf hofft er darauf, den Gegner zu besiegen, ggfs. zu töten, zumindest aber unschädlich zu machen.

Ich übersetze das für mich gerade in meinem Beruf, der mit der Situation in der Höhle und einem Säbelzahntiger nicht mehr so viel gemeinsam hat – obwohl wenn ich da an manche harten Meetings mit Vorgesetzten und deren Vor -Vorgesetzen denke, kann ich da schon Parallelen ziehen. Totstellen wäre hier eine „ist mir doch egal-Haltung“ oder „Lass sie doch reden, interessiert mich nicht wirklich“. Eine Flucht wäre, durch eine Krankschreibung beim Arzt oder sonst welche kreativen oder sogar erfundenen Ausreden das Meeting bestmöglich zu umschiffen oder sogar zu schwänzen – also mit Abwesenheit zu glänzen. Und, na ja, kämpfen bedeutet, für seine Ideen einzustehen, vielleicht die anderen zu überzeugen (bei vielen Chefs jetzt tendenziell eine immer etwas undankbare, zumindest aber herausfordernde, Aufgabe) – auf jeden Fall aber nicht wegzulaufen.

Was hat Jesus gemacht? Er ist sicherlich nicht geflüchtet; totgestellt hat er sich in dem Sinne nicht – vielleicht doch aber in sein für ihn vorgesehenes Schicksal gefügt; er wusste ja, was kommen wird. Es war also keine hoffnungslose Resignation im ursprünglichen Sinne. Aber hat er „gekämpft“? Da denke ich wirklich drüber nach. Klar ist – er ist nicht weggelaufen. Er ist sogar noch hingelaufen – in seinen Tod. Das ist jetzt nicht kämpfen im eigentlichen Sinne, denn da würde jeder normale Mensch ja versuchen, seinen Tod zu vermeiden, gerade wenn er einen so mächtigen Vater im Rücken gehabt hat.

So haben ja auch die Römer gedacht, denn in deren Weltbild hätte ja jeder, der ein König sein sollte und über diese Mittel verfügt hätte, diesen Kampf ja angenommen. Aber Jesus war anders. Sein Kampf hatte nicht das Ziel, seine Feinde zu besiegen. Sein Kampf bestand darin, über seinen Tod als Aufnahme aller Sünden den Menschen Hoffnung zu geben und die Auferstehung als Hoffnung zu verankern. Sein Ende ist kein richtiges Ende, sondern ein Anfang.

Und er möchte diesen Weg auch nicht alleine gehen- er möchte, so schreibt es Lukas, dass „wir“ nach Jerusalem gehen. Damit verlangt er auch seinen Jüngern einiges ab. Er nimmt sie nicht aus der Verantwortung, weil er denkt, dass es zu schwer für sie sei. Hinauf nach Jerusalem zu gehen, heisst, gemeinsam diesen Weg zu gehen. Man könnte vielleicht in die Neuzeit übersetzen: In guten wie in schlechten Zeiten. 

Ich möchte wieder zu dem Punkt kommen, dass manche Wege zu gehen sind. Wie ungleich leichter fällt es doch, wenn man einen Weg nicht alleine gehen muss. Selbst wenn die individuelle Auswirkung, die konkrete Durchführung, im Endeffekt immer jeder einzelne für sich tragen und ertragen muss. Daraus ergibt sich auch eine gewisse Verantwortung – für sich selbst, aber auch für die Menschen, die einen begleiten und denen man das zumuten möchte. Und, da wir alle nicht über die Vorstellungskraft von Jesus verfügen, ergibt sich auch sehr häufig die Unschärfe oder gar Unsicherheit, wie sich der zu gehende Weg denn genau darstellen wird.

Letztens hatte ich eine Begegnung, bei der mir gesagt wurde „Keiner könne wissen, welcher Weg sich noch unter seine Füße legen würde“. Den Satz fand ich bemerkenswert, drückt er für mich doch ein gewisses Vertrauen in sich selbst und – ja – seine Füße als tragendes Element aus. Und gibt auch genug Raum, dass der Weg nicht vorbestimmt ist, sondern erst beim Gehen entsteht, sich quasi „unter die Füße legt“ (Welch Bildnis- das muss man sich mal wirklich einen Augenblick vorstellen).

Wir sollten daraus die Einsicht gewinnen – und die aktuelle Situation beweist das ja mehr als deutlich – dass wir gar nicht alles steuern können. Den Weg also nie und nimmer genau planen können. Und wir können aus dem heutigen Wochenspruch mitnehmen, dass das Ende nicht das richtige Ende im endgültigen Sinne sein muss. Und dass niemand alleine auf seinem Weg sein sollte…..