„Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.“ | Jes 40,3.10

Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig. Diese Worte vom Propheten Jesaja begleiten uns in der 3. Adventswoche. Sie weisen auf Johannes den Täufer hin, den Wegbereiter von Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser der Welt. Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe der Herr kommt gewaltig.

Gewaltig sind auch unsere  Vorbereitungen zum Weihnachtsfest. Plätzchen werden gebacken, Sterne gebastelt und aufgehängt, die Wohnung wird aufgeräumt und geputzt, Lichterketten werden installiert, in manchen Wohnungen steht schon der geschmückte Christbaum. Fast alles bereit und schön herausgeputzt – so möchte man seinen Gast empfangen, der Gast ist König, sagt man, und er soll sich wohlfühlen.

Der Gast, der uns im Wochenspruch angekündigt wird, ist tatsächlich König, und er wird über unsere angestrengten Bemühungen, Glanz in die Hütte zu bringen, sicher nur den Kopf schütteln. Ich denke, es wäre ihm lieber, wir würden vor der Tür unseres Herzens aufräumen, Überflüssiges und Altlasten entsorgen und so den Weg freimachen für ihn, so wie uns Jesaja im Wochenspruch auffordert: Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig. Das geht nicht im Gedränge der Weihnachtsmärkte, da bahnen wir nur für uns einen Weg frei, auch nicht im Wettbewerb um die schönste Weihnachtsglitzerwelt und auch nicht in der Hektik vieler Vorbereitungen.

Advent ist die Zeit der Einkehr, die Zeit des Wartens auf das Handeln Gottes an uns und des zu Ruhekommens, die Zeit der selbstkritischen Bestandaufnahme. Was bin ich mir und anderen schuldig geblieben und was ist mir wichtig? Kann ich verzeihen, kann ich auch mal verzichten oder muss ich alles mitnehmen, was an Möglichkeiten geboten wird? Kann ich mein Leben so gestalten, dass es nicht auf Kosten anderer geht, komme ich ohne krumme Touren und Unwahrheiten durchs Leben, liebe ich meine Nächsten oder nur mich selbst, kann man sich auf mich verlassen? Über solche Fragen nachzudenken gehört für mich zum Advent. Wenn hier etwas nicht stimmt, krumm oder uneben ist, dann bin ich nicht auf dem richtigen Weg und muss umkehren; man könnte auch sagen,  ich muss Buße tun. In früheren Generationen war die Adventszeit eine reine Buß- und Fastenzeit und man hat sich daran gehalten. Heutzutage büßt man höchstens, wenn sich nach vielerlei Genuss über die Advents- und Weihnachtstage mehr Kilos auf den Hüften angesammelt haben.

Noch bleibt uns eine Woche Zeit, um uns auf die Ankunft des Herrn vorzubereiten. Vielleicht fällt es uns dieses Jahr sogar etwas leichter, uns auf den hohen Besuch einzustellen. Können doch viele vorweihnachtliche Termine aus bekannten Gründen nicht stattfinden, kein gemütlicher Kaffeenachmittag mit der Nachbarschaft, kein Gansessen mit dem Kegelclub, keine Weihnachtsfeier mit der Firma, auch keine Vorbereitungen für ein mehrgängiges Festessen mit der Verwandtschaft.

Wir können einen Gang oder zwei zurückschalten, ohne Angst zu haben ausgebremst zu werden. Diese gewonnene, stillere Zeit können – nein, sollten wir nutzen, für eine innere Ein- und Umkehr.

Es wird ein anderes  Weihnachtsfest als wir es gewohnt sind, bestenfalls erkennen wir auch wieder den ursprünglichen Sinn darin, und auf jeden Fall wird es stattfinden, und ich möchte sagen, jetzt erst Recht, denn die Freude über die Weihnachtsbotschaft von Gottes Kommen in die Welt gibt uns Hoffnung – auch und gerade jetzt in dieser Zeit.

Amen

Gebet von Gisela Baltes

Bereitet den Weg des Herrn / durch die Wüste der Hoffnungslosigkeit /
durch das Gestrüpp des Misstrauens / durch das Meer der Traurigkeit /
durch das Labyrinth der Enttäuschungen.

Bereitet den Weg des Herrn / versöhnt die Verfeindeten
ermuntert die Müden/ sucht die Irrenden / besucht die Einsamen

Bereitet den Weg des Herrn / denkt das Undenkbare /
hofft das Unmögliche/ glaubt das Unfassbare /

Der Herr ist nahe.


Inge Reif