Okuli

Text: Lk 9,57-62

Thema: Wer die Hand an den Pflug legt…

Ev. Emmausgemeinde Eppstein

Pfarrer Moritz Mittag

Vorspiel

Begrüßung

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. | Lk 9,62

Auf gewisse Weise verlangt uns die Situation heute genau das ab: Nach vorne sehen, das Ziel nicht aus den Augen verlieren. So ist das heute das erste Mal, dass wir einen Gottesdienst nicht analog, nicht als feiernde Gemeinde erleben. Der Ersatz ist kein Ersatz. Aber ich hoffe, er ist besser als nichts. Und vielleicht können Sie sich als Teil der feiernden Gemeinde vorstellen. So habe ich es mir jedenfalls vorgestellt, wenn ich Sie und Euch jetzt als Leserin und Leser herzlich begrüße.

EG 452,1-5      Er weckt mich alle Morgen

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 34 – EG 718

Preiset mit mir den Herrn und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen! Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. Reiche müssen darben und hungern; aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut. Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr und errettet sie aus all ihrer Not. Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Der Gerechte muss viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der Herr. Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Kommt, lasst uns anbeten!

Gloria patri

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Sündenbekenntnis

Viele beschleichen in diesen Tagen Angst und Sorge. Hilf uns, Herr, dass wir deshalb nicht rücksichtslos handeln, dass wir in der Sorge um uns selbst, unseren Nächsten nicht außer Acht lassen, dass wir darauf vertrauen können, dass du für uns sorgst.

Herr, erbarme dich!

Kyrie

Herr, erbarme dich; Christe, erbarme dich; Herr, erbarm’ dich über uns!

Gnadenzuspruch

So spricht der Herr: Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. [Jos 1,5]

Lobsinget dem Herrn, erhebet seinen Namen!

Gloria

Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden Fried’, den Menschen ein Wohlgefallen.

Salutatio

Der Herr sei mit euch! – Und mit deinem Geist.

Gebet – Worte von Martin Luther

Gib mir, Herr, nicht Gold und Silber, sondern einen starken, festen Glauben. Ich suche nicht Lust oder Freude der Welt, sondern Trost und Erquickung durch dein heiliges Wort. Nichts begehre ich, das die Welt groß achtet, denn ich bin dessen vor dir nicht um ein Haar breit gebessert; sondern deinen heiligen Geist gib mir, der mein Herz erleuchte, mich in meiner Angst und Not stärke und tröste, im rechten Glauben und Vertrauen auf deine Gnade erhalte mich bis an mein Ende. Amen.

Evangelium Lk 9,57–62

57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. 59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! 61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. 62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. – Amen.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde; und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn. Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes. Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

EG 391,1-4      Jesu, geh voran

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Eigentlich wollten heute Morgen Michael Bendl und ich hier stehen. Und eigentlich wollten wir im Dialog eine Begegnung von Bibel und Landwirtschaft versuchen. Und danach wollte ich eigentlich mit den KonfirmandInnen zur Konfirmandenfreizeit nach Sargenroth aufbrechen. Und eigentlich wollten wir dort an der Vorbereitung des Vorstellungsgottesdienstes der KonfirmandInnen arbeiten. Und eigentlich wollten wir den zusammen am kommenden Sonntag im Gemeindezentrum Emmaus feiern.

Eigentlich. – Aber dann kam alles ganz anders. Die Tage zuvor haben wir schon bangen Blickes die Entwicklung der Corona-Epidemie verfolgt und gemerkt, das Problem kommt uns näher, ja, es rückt uns auf die Pelle. Manches fanden wir vielleicht übertrieben, was da medial über die Bildschirme flimmerte. Aber auch die Eindringlichkeit der Botschaften von Virologen und aus dem politischen Raum nahm zu. Als am Freitagnachmittag der Ministerpräsident Volker Bouffier die Aussetzung des Unterrichts an den hessischen Schulen verkündete, war klar, selbst die Pläne für morgen waren von gestern.

Hätte man nicht noch wenigstens die Gottesdienste feiern können? Wer einer Risikogruppe angehört, hätte ja zuhause bleiben können, oder? Andererseits, wer will das verantworten, erst recht angesichts der unabsehbaren Konsequenzen. Wer von uns kann schon das Virus wirklich einschätzen? Und wer hat einen Plan, geschweige denn einen besseren Plan, uns alle einigermaßen unbeschadet durch die Epidemie zu führen?

Nun sind wir alle zuhause geblieben. Vielleicht empfinden wir schon jetzt, dass uns etwas fehlt. Die freudige Begrüßung vor dem Gottesdienst. Die Klänge der Orgel, unser gemeinsamer Gesang. Die Ordnung der Liturgie. Worte, die von ganz woanders her kommen und uns doch berühren. Ernst und Freude, die wir zu teilen gewöhnt sind. Wie Kuchen und Plätzchen beim Kirchencafé. Sonntag ohne Gottesdienst, das ist für viele von uns wie Erdbeeren ohne Sahne. Da fehlt was.

Genug lamentiert! „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ [Lk 9,62], sagt Jesus zu denen, die ihm nachfolgen wollen.

Erst wollen sie noch erledigen, was sie sich vorgenommen hatten und was sich auch so gehört: Den verstorbenen Vater begraben. Abschied nehmen von der Familie. Ihnen das zu versagen, ist das nicht unmenschlich, ja grausam?

Die ganze Aufmerksamkeit soll dem gelten, was vor ihnen ist: Das Reich Gottes. Das sollen sie im Blick behalten, wie der Bauer den Zielpunkt der Furche, die sein Pflug durch den Acker gräbt. Sähe er zurück, wer weiß, wo er am Ende ankäme? Wer sich mit Gott auf den Weg macht, der muss sich entschieden haben, zu wem er gehören will. Für Jesus selbst ist das klar. So verstehe ich seine Reaktion auf den Versuch seiner Familie, mit ihm in Kontakt zu treten. Immerhin hatte er seinen Beruf des Zimmermanns an den Nagel gehängt und war als Wanderprediger losgezogen. Ob das bei den Eltern und Geschwistern ungeteilten Beifall gefunden hatte? Wer weiß? Es sieht eher so aus, als versuchten sie, ihn wieder in ihr Leben zurückzuholen. Er aber lässt sie abblitzen: „Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter“ [Mk 3,35]. Er hat die Hand am Pflug und will nicht zurücksehen.

Wenn wir das so hören, dann weht uns ein Hauch Radikalität an. So viel Entschiedenheit, aber auch so viel Anspruch an die, die das Reich Gottes ins Visier genommen haben, wirkt abschreckend. Das kann ich nicht. Das will ich auch nicht. Und übrigens finde ich es auch nicht verheißungsvoll, morgens nicht zu wissen, wo ich abends mein „Haupt hinlege“ [Lk 9,58]. Und ja, die Ungewissheit der letzten Tage, in denen sich alles um das Corona-Virus drehte, sie ist inzwischen nicht gewichen. Das Szenario ändert sich nur ständig. Wie’s ausgeht, wann’s sich ausgeht, wer weiß das schon? Und schon haben wir wieder begonnen, Pläne zu machen, die uns ein Stück Sicherheit (tatsächliche oder vermeintliche) geben sollen. Ich plane, also bin ich…, bin ich gewiss, dass es weitergeht. Ist es das?

Die Tage sah ich einen Mann Ende dreißig, der stellte im Interview verwundert fest, so etwas habe er in seinem ganzen Leben nicht erlebt, so einen Kontrollverlust. Eigentlich hat man doch sein Leben soweit im Griff und wenn nicht, dann gibt’s Rat und Methoden wieder dahin zu gelangen. Und jetzt so was. Das finde ich anstrengend. Darin habe ich keine Übung. Im Gegenteil, ich bin geübt, so etwas nach Möglichkeit zu verhindern.

Andererseits – spüre ich sowohl hinter der Zumutung des Kontrollverlusts heute, als auch der einer klaren Entscheidung für den Weg mit Gott, wie sie den Jüngern abverlangt wird, ganz neue Möglichkeiten. Ja, da tut sich eine Weite auf, wie sie die vielen Zäune und Mauern unserer geregelten und durchorganisierten Lebenswelt niemals sehen lassen.

Aussagen wie „Das muss heute noch raus!“ oder „Geht nicht, gibt’s nicht!“ verlieren deutlich an Gewicht. Was muss schon, wenn nicht’s geht? Vielleicht ist das eine Chance in diesen Tagen: Im Verlust der Kontrolle diese neue Weite zu entdecken, die sich dem auftut, der sich hingibt, überlässt, getragen vom Vertrauen, dass Gott für uns sorgt.  

Nicht alle werden diese Chance bekommen, ich denke an alle, die in der Politik, in den Laboren, bei den Rettungsdiensten und in den Krankenhäusern für unser aller Wohl im Einsatz sind. Nicht alle werden diese Chance bekommen, in der Zwangspause das eigene Leben zu reflektieren und die Mechanismen der Zwänge darin zu durchschauen. Bis hin zu der Erkenntnis, dass der Versuch, uns selbst als Herrn unseres Lebens zu verstehen, uns in eine grausame Sklaverei geführt hat: Indem wir Gott loswurden, fiel das Ressort „Leben, Glück und Heil“ in unsere Verantwortung.

Aber kaum wird’s ernst, werden unsere engen Grenzen offenbar, ja, auch niedere Instinkte brechen in unserem Verhalten durch: „Wenn jeder zuerst an sich denkt, ist an alle gedacht.“ Von wegen!

Das nämlich ist der Blick zurück, der uns das Ziel weit vor uns aus den Augen verlieren lässt. Die Bibel spricht vom Reich Gottes. Das ist da, wo „die Hütte Gottes bei den Menschen“ ist, „und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein“ [Apk 21,3f.].

Jetzt ist die Zeit, den Blick nach vorne gerichtet, sich von diesem Vorne einer neuen Welt, anziehen zu lassen. Da schafft die Zuwendung, mit der Gott seinen Menschen begegnet, das, was in unseren Händen so oft zu Bruch geht: Leben, Glück und Heil. Daran wollen wir uns orientieren und uns den Menschen, die unsere Hilfe brauchen, zuwenden. Das können unsere Nachbarn sein oder die Leute von der Tafel oder all die, die als Helferinnen und Helfer unterwegs sind. Dass wir dabei umsichtig und verantwortungsbewusst vorgehen, versteht sich bei unserem Leben in den Zeiten des Corona-Virus.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

EG+ 105    Du bist meine Zuflucht

Fürbittengebet

Gott, hilf uns beten.

Wir haben Sorgen und leben in Ängsten. Was uns bedroht, kennen wir nicht. Es kommt wie aus dem Nichts, vielleicht sogar unbemerkt, im einen Fall unterschätzt, im nächsten überbewertet.

Wir spüren jetzt die Grenzen unserer Möglichkeiten. Wir trauern um alle Menschen, denen das Virus das Leben geraubt hat. Und wir beten für die, die um ihr Leben ringen.

Dass wir in der Krise den anderen nicht mit Egoismus und Rücksichtslosigkeit begegnen, darum bitten wir. Dass stattdessen Solidarität und Zuwendung unser Denken und Handeln bestimmen.

Stärke alle, die im Dienst bei den Rettungsdiensten, als Polizisten, Mediziner oder Pflegekräfte gefordert sind. Lass die Verantwortlichen in der Politik die rechten Entscheidungen treffen und den Respekt der Bürgerinnen und Bürger spüren.

Lass uns über all dem, was uns hier beschäftigt, nicht achtlos über das Leid der Menschen hinwegsehen, die als Spielball in den Händen der Mächtigen, ihr Haus, ihre Heimat, ihre Gliedmaßen oder ihr Leben verlieren.

Wir wollen zusammenhalten und was auf uns zukommt als Gemeinschaft bewältigen. Hilf uns dazu!

Wir beten still.

Stilles Gebet

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

EG 162,4         Mein Gott, lass mir dein Lebenswort

Mitteilungen

Die Kollekte am vergangenen Sonntag betrug € 363,90 und war bestimmt für „Krank auf der Straße“ (Wohnungslosenhilfe der Diakonie Hessen).

Die Veranstaltungen der Ev. Emmausgemeinde Eppstein in der kommenden Woche und bis auf weiteres sind abgesagt.

Heute keine Kollekte und kein Kirchencafé.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Amen, amen, amen.

Orgelnachspiel