Andacht zum Wochenspruch am Sonntag Quasimodogeniti

Kennen Sie das auch?
Beim Aufräumen und Ausmisten zuhause fällt Ihnen ein Brief in die Hände, der Sie, als Sie ihn damals erhalten haben, froh und glücklich gemacht hat. Im Lauf der Jahre haben Sie ihn erst aus dem Blick und dann aus dem Gedächtnis verloren.
Nun ist er wieder da, und Sie erfreuen sich erneut daran. Er ist wie ein kleiner Schatz in Ihrem Leben.
Später komme ich auf dieses Bild zurück.

Unser Wochenspruch lautet:
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 1. Petrus 1,3

Neulich telefonierte ich mit einem unserer Söhne. Ich fragte ihn ganz unvermittelt, fiel sozusagen mit der Tür ins Haus:
»Glaubst du an das ewige Leben?«
»Nein.« kam ebenso schnell und entschieden die Antwort.
»Hm. Oder denkst du, dass mit dem Tod alles vorbei ist?«
»N-nein. Also, ich weiß nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, wie so ein ewiges Leben aussehen soll, was nach dem Tod kommen soll.«
»Muss man sich denn etwas vorstellen können, um daran zu glauben?«
»Ich weiß es einfach nicht. Und ehrlich gesagt habe ich auch noch nie darüber nachgedacht.«

Ostern liegt noch keine zwei Wochen zurück. Die Frauen, die vor dem leeren Grab stehen und erschrecken, als der Engel ihnen erscheint und Jesu Auferstehung verkündet, sind uns in Erinnerung. Die Jünger, die den Frauen nicht glauben, bis sich Jesus ihnen zeigt. Thomas, der nicht glauben kann, was er nicht selbst sieht. Ich kann das gut nachvollziehen, dass die Frauen und die Jünger sich schwer damit tun, die Nachricht von der Auferstehung Jesu zu glauben.

Ist es auch für uns kaum zu fassen, was da geschehen ist, so ist die Ostergeschichte in diesem Jahr durch die Corona-Krise noch mehr an den Rand gerückt. Das Agapemahl am Gründonnerstag, der Gottesdienst an Karfreitag mit Abendmahl, und dann der Ostersonntagmorgen um 6 Uhr draußen am Osterfeuer in der Morgendämmerung mit dem Ruf »Christus ist das Licht« – »Gott sei ewig Dank«. Das sind schöne und vertraute Rituale, mit allen Sinnen wahrnehmbar, die unserem Leben eine Struktur geben. Bilder und Bräuche, die das Geschehene für uns zugänglich machen.
Dazu kommt die wohltuende Gemeinschaft in der Gemeinde.
Das alles konnte in diesem Jahr nur sehr eingeschränkt stattfinden. Wie schnell ist man da wieder im Alltag!

Wie schnell lässt man sich wieder vereinnahmen durch die täglichen Corona-Nachrichten, die aktuellen Zahlen, die unterschiedlichen Interpretationen dieser Zahlen – je nachdem, ob sie aus der Wissenschaft, aus der Wirtschaft, aus der Politik oder einfach von kontaktentwöhnten Familienmitgliedern kommen. Jeder hat seine eigene Sicht der Dinge. Das macht den Überblick nicht leichter. Bei all dem »Hü« und »Hott« kommen wir nicht richtig voran. Kurzum: wir sind verstrickt in einem Wirrwarr an Fakten und Emotionen.

Und mitten in all diesem irdischen Schlamassel erscheint uns der Wochenspruch aus dem ersten Petrus-Brief wie aus einer vollkommen anderen Welt:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Das ist keine Vision, kein Wunschtraum, kein leeres Versprechen, das ist DIE gute Nachricht.

Der barmherzige Gott hat seinen Sohn Jesus Christus von den Toten erweckt,
und durch Jesu Auferstehung sind wir Menschen vom Tod erlöst. Der Tod hat
nicht mehr das letzte Wort. Gottes Liebe hat den Tod besiegt.

Christus ist auferstanden! Diese gute Nachricht gilt jeden Tag aufs Neue.
Sie befähigt uns, die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit und auf eine bessere Welt nicht aufzugeben. Sie weist weit über unser Klein-Klein im Alltag hinaus und gibt uns einen handfesten Grund, dem Leben mit Freude und Zuversicht zu begegnen.
Sie ist – wie im eingangs erwähnten Bild – ein Schatz in unserem Leben, den es immer wieder zu entdecken gilt.

Sie macht uns zu Botschaftern einer lebendigen Hoffnung.

Dorothea Lindenberg

Gebet
Barmherziger Gott!
Wir danken dir für alles, was uns Halt gibt und uns lebendig macht.
Für den Frühling und die wieder erwachende Natur, für die Blumen und das Vogelgezwitscher.
Für die Begegnungen und Gespräche, die uns inspirieren und bereichern.

Wir bitten dich um den Glauben, der deiner gewiss ist und uns zur lebendigen Hoffnung für andere macht.
Lass uns nicht müde werden, füreinander da zu sein.
Amen.