1. Sonntag nach Trinitatis

Text: Apg 4,32–37

Thema: Denkt neu!

Ev. Emmausgemeinde Eppstein

Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Das fängt ja gut an: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele“ [Apg 4,32]. Lukas erzählt von der jungen Gemeinde in Jerusalem. Wie in den anderen ersten Gemeinden, in Korinth zum Beispiel, kommen in ihr Junge und Alte, Arme und Reiche zusammen und genießen eine Gemeinschaft, die die üblichen sozialen Schranken aufgehoben hat. Wenn einem etwas fehlt, bekommt er’s von einem anderen, der schon genug hat. Man teilt. Das fängt beim gemeinsamen Mahl an. Da kommen endlich auch die zum Zuge, die sonst hungern müssen. Niemand geht leer aus. „Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte“ [Apg 4,34]. Wer Kleidung braucht, bekommt sie. Wer Geld braucht, wird versorgt. Das alles geschieht in gegenseitiger Achtung und inspiriert von den Ostereignissen: „Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen“ [Apg 4,33].

Lukas schreibt das und hat eine vergleichsweise wohlhabende Gemeinde vor Augen. Er erzählt ihr die Geschichte des Jesus von Nazareth. Dessen Weg bis zum Kreuz könnte man mit dem Wort „Hingabe“ zusammenfassen. In der Mahlfeier klang das immer wieder an: „Christi Leib, für dich gegeben“, „Christi Blut, für dich vergossen“. Ja, da hatte der Eine sich für alle hingegeben. Und den Lohn der Hingabe, seine Auferstehung, den wollte er nicht für sich behalten, sondern mit allen teilen, die sich danach sehnen.

Paulus spielt darauf im Philipperbrief an, wenn er sagt: „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein“ [Phil, 2,6]. Er will das nicht für sich behalten, er will es mit anderen teilen. Darum geht er seinen Weg bis zum Kreuz. Solche Hingabe ist ein Geschenk. Wer wollte sie einfordern? So aber wird sie zum Beispiel für ein Leben, das einer anderen Denk- und Lebensweise folgt. Da zählt nicht mehr, wer am meisten hat und zu behalten versteht. Da kommt es darauf an, Christus immer ähnlicher zu werden: „Wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte 35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte“ [Apg 4,34f.]. Dazu zwingen kein Gesetz und kein Steuererlass. Es ist auch kein politisches Programm, so sehr diese Verse darüber nachzudenken angeregt haben. Die Ereignisse dieses Jahres lassen auch in uns die Zweifel wachsen, ob wir auf dem rechten Pfad unterwegs sind. Im Lichte des Lockdown-Lebens fragt man sich in vielen Fällen, war das gut, war das recht, was wir für gegeben hielten? Unsere raumgreifenden Reisen. Die Nutzung, oder sollte ich von Ausnutzung sprechen, billiger Arbeitskräfte und die billigende Inkaufnahme horrender Umweltschäden in den Ländern, die unserem Wohlstand zuzuarbeiten hatten. Die Lust und ihre jederzeitige Befriedigung als das höchste Prinzip unserer menschlichen Existenz. Wie brüchig das alles ist, wie hohl und leer die Versprechungen von Glück und Zufriedenheit eines darauf gründenden Lebens sind, das dürfte uns klar geworden sein. Wer will, kann erkennen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Elend der anderen unser eigenes Elend wird.

Es ist Zeit neu zu denken. Lukas formuliert dazu kein Programm. Er erzählt von einer Veränderung, die in konkreten Situationen Menschen verwandelt, die sich der Botschaft von Jesus Christus öffnen. „Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, 37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen“ [Apg 4,36f.].

Inspiriert durch die Geschichte und die Botschaft unseres Herrn, werden wir Antworten finden auf die Herausforderungen unserer Zeit. Die sind groß, teilweise so groß wie die Welt und nur in der Gemeinschaft aller Beteiligten zu lösen – denken wir nur an die Fragen des Klimaschutzes, des Welthandels oder des Friedens.

Aber wir selbst sind auch gefordert neu zu denken. Wie tarieren wir unser Bedürfnis nach Sicherheit und das nach Freiheit aus? Wie lösen wir die soziale Kluft in unserer Gesellschaft? Worauf sind wir bereit zu verzichten? Was haben wir für das Gemeinwesen übrig? Wo werden wir erkennbar als solche, die Jesus Christus ihren Herrn nennen?

Zum neuen Denken gehört die Bereitschaft zur Hingabe. Sie wird in uns wachsen, wenn wir unsere Sicherheit, das was uns hält, statt bei uns, bei Gott suchen. Das wird uns frei machen und ganz neue Sichten und Einsichten erlauben. Es wird Verkrustetes aufbrechen und Neues ermöglichen. Es wird uns Sorge die um die Zukunft nehmen und die Freude am Morgen schenken.

Also: Denkt neu!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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