Andacht zum Wochenspruch am 1. Sonntag nach Epiphanias

„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Römer 8, 14

Beim Lesen dieses Wochenspruchs gilt mein erster Gedanke dem Heiligen Geist und wie ich mir diesen Heiligen Geist als Jugendliche vorgestellt habe. Wie ein Bauchgefühl oder eine innere Stimme, die mir dabei hilft die Frage zu beantworten: „Ist das richtig oder falsch?“ Sie hilft mir intuitiv richtig und von Herzen kommend zu handeln. Das heißt für mich heute, nicht immer nur nach Regeln und Vorschriften zu gehen. Oft versuchen wir Regeln so auszulegen, dass es uns am besten passt. Dann können wir uns getrost einreden – es ist ja erlaubt… Ich finde, das ist es, was die Corona-Regeln so schwierig macht. Der Rahmen ist so eng und gleichzeitig so weit. – Statt uns jedoch immer auf diese Regeln zu besinnen, frage ich mich, wie es wäre, wenn jeder in sich hinein auf den Geist Gottes hören würde… Aber er ist so schwer zu greifen…  

Wer hat den Geist Gottes und wie wirkt er? In Vers 9 lesen wir „Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt;…“ Das heißt wohl, in jedem Christen (der sich ehrlich zu Gott bekennt) wohnt der Heilige Geist. Ihn haben wir mit der Taufe empfangen.

Und wie wirkt er? „Der Geist“ wird in Römer 8 fast 20mal genannt. Hier steht u.a.: Er befreit uns von Sünde und Tod (V 2.3) und hilft uns das Gesetz Gottes zu erfüllen (V4). In meiner Studienbibel finde ich eine einprägsame Zusammenfassung der weiteren Verse nämlich „er verändert unsere Natur und gibt uns Kraft zum Sieg über unser unerlöstes Fleisch“ (V5-13). D.h. Gott versucht durch das Wirken des Heiligen Geistes in mir etwas zu verändern – „meine Natur“ zu verändern. Wenn der Heilige Geist in mir wohnt, dann ist ja auch ein Stück Gottes in mir. Ein schöner Gedanke. Im Zusammenhang mit der Veränderung durch den Heiligen Geist fällt mir in Luthers Übersetzung das Wort „treibt“ auf („Welche der Geist Gottes treibt,…“). Warum hat Luther wohl dieses Wort gewählt? Ich stelle es mir so vor: Etwas treibt mich an, es gibt keinen Stillstand – ausruhen ist nicht – Gottes Geist will mich verändern.

Wieder einmal gewinne ich das Gefühl, dass mir die Herausforderung, vor die mich die Bibel stellt, über den Kopf wächst. Aber das Weiterlesen von V14 und 15 macht Mut: „,die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen Abba, lieber Vater!“ Ich verbinde viele schöne Erinnerungen und Gefühle mit meiner Kindheit: Verantwortung abgeben können, tiefe Freude erleben, unbeschwert und sorgenfrei sein, offen gegenüber Unbekanntem, in den Tag hineinleben ohne immer alles im Voraus planen zu müssen – ein Jahr ist lang und ausgefüllt. Das Gefühl der Geborgenheit und Fehler machen zu dürfen, die einem Verziehen werden. Welcher Erwachsene sehnt sich nicht danach? Trotzdem fällt es uns schwer, wieder in diese Rolle hineinzuschlüpfen. Wie oft, habe ich mich schon an dem Gleichnis in Matthäus 6 zu den Spatzen aufgehängt. Am Ende des Kapitels (V33-34) heißt es „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“ Auch der Vers 15 in Markus 10 ist uns allen bekannt: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Es heißt also, lernen von meinen Kindern und versuchen mich daran zu erinnern und anzunehmen, wie es war, auf jemanden angewiesen zu sein; akzeptieren und begreifen, dass ich Gott brauche. Dass ich ihm von meinen Sorgen und Ängsten erzählen und sie abgeben kann. Vielleicht verstehe ich dann auch wieder, wie es ist mit offenem Herzen um ein Geschenk – das Reich Gottes – zu bitten und es anzunehmen.

Marie Sophie Schmidt

GEBET

Ich möchte gemeinsam mit Ihnen ein Gebet von Christine Tergau-Harms beten. Es hat mir deswegen so gut gefallen, weil es so einfach und kurz ist. Deswegen fand ich es zum heutigen Wochenspruch so passend. Es braucht nicht immer viele Worte, wenn ein Kind zum Vater spricht. Beten erscheint oft so kompliziert und ist doch so einfach.

Gott,
eigentlich bräuchte ich es jeden Tag,
dass sich die Wolkendecke über mir auftut
und der Himmel hindurchscheint
und eine Stimme mir sagt,
dass ich mich nicht so anstrengen muss
und dass ich über mich hinauswachsen kann.
Gott, ich bitte dich,
sende deinen Geist auf mich herab,
dass mir die Augen aufgehen.
Amen

Christine Tergau-Harms