Andacht zum Wochenspruch am drittletzten Sonntag des Kirchenjahres

Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Mt 5, 9)

Nicht zufällig hören wir diesen Wochenspruch am drittletzten Sonntag  des Kirchenjahres. Die aktuelle Ev. Sonntagszeitung hat dazu folgende Erklärung:
Seit 1980 gibt es die  ökumenische Friedensdekade als Gebets- und Aktionswoche. Das Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ war von Anfang an das Motto in der DDR. Der Westen hat das Motto übernommen. Die Friedensdekade prägt traditionell die zehn Tage zwischen dem drittletzten Sonntag des Kirchenjahres und dem Buß- und Bettag. „Umkehr zum Frieden“ lautet das Motto in diesem Jubiläumsjahr. Gemeinden laden ein zu Gottesdiensten, Friedensandachten und Veranstaltungen – dieses Jahr oft virtuell.

Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

FRIEDE, wer wünscht ihn sich nicht, kaum ein Tag, an dem uns keine Schreckensnachrichten via Bildschirm ins Wohnzimmer flattern, Bilder von scheußlichen Gräueltaten, von alles zerstörender Gewalt mit vielen Toten und Verletzten. Ich mag es eigentlich gar nicht mehr sehen und hören, und den allermeisten geht es genauso, und man wünscht sich nichts mehr, als dass all die schrecklichen Meldungen ein Ende haben und die Welt endlich Frieden findet. Das heißt, alle Menschen leben in Sicherheit und Freiheit, haben genug Wasser und Nahrung, haben Zugang zu Bildung und zu Gesundheitssystemen, und kein Mensch mehr muss wegen wirtschaftlichen Mängeln seine Heimat verlassen.

Ein schöner Traum, schon Martin Luther King träumte ihn,  und hat ihn in seiner berühmten Rede visualisiert, indem er sprach: alle Menschen sind gleich erschaffen, Sklaven und Sklavenhalter sitzen am Tisch der Brüderlichkeit zusammen, Ungerechtigkeit und Unterdrückung werden zur Oase der Freiheit und Gerechtigkeit verwandelt, Menschen werden nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt. Für sein  Eintreten für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit bekam er den Nobelpreis.

Dieses Jahr wird der Nobelpreis den Vereinten Nationen verliehen, die seit 1963 weltweit in Krisengebieten einen wichtigen Beitrag gegen den Hunger leisten. Ein enorm wichtiger Beitrag für den Frieden, denn soziale Ungerechtigkeit und Hunger lösen nicht selten kriegerische Konflikte aus.
Nun uns wird höchstwahrscheinlich kein Nobelpreis verliehen, wenn wir zu Friedenstiftern werden, aber eine herrliche Verheißung dürfen wir erwarten: selig sein und Gottes Kinder sein. Der Zustand selig sein wird in einem Lexikon so beschrieben: von allen irdischen Übeln erlöst und des ewigen Lebens, der himmlischen Wonnen teilhaftig selig werden. Sind das nicht wunderbare Aussichten!

Im Hier und Jetzt gibt es viele Gelegenheiten Friedensstifter zu sein, Nächstenliebe üben, gerecht und gütig handeln, mitfühlend und treu einander dienen, kurz und gut mit Paulus gesagt: Seid auf Gutes  bedacht gegenüber jedermann.
Das sind klare Ansagen und doch schaffe ich es oft nur ansatzweise, dem gerecht zu werden. Da muss ich mal noch einen blöden Spruch loswerden, wenn sich mein Mann mal ungeschickt anstellt oder bei einer Meinungsverschiedenheit will ich unbedingt das letzte Wort haben, oder ich ziehe mich in die Schmollecke zurück statt einer versöhnenden Geste, gnädig und gütig ist das nicht. So sehr ich mich auch anstrenge, ich weiß, solche Verletzungen werden immer wieder vorkommen. Doch bei Gott kann ich auch immer wieder Gnade und Güte empfangen, und mit seinem Frieden in meinem Herzen kann auch ich Frieden stiften. Eine große Aufgabe, aber wo immer es möglich ist, möchte ich daran mitwirken und an ihr wachsen, denn selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Amen

Wir beten.
Barmherziger Gott, diese zerstrittene Welt sehnt sich nach Frieden. Unser Friede ist Christus: Versöhne alle Menschen in ihmund lass die Kraft seiner Liebe die ganze Schöpfung durchdringen. Dir, dem Gott des Friedens, sei Ehre, Preis und Anbetungvon Ewigkeit zu Ewigkeit. 
Gott allen Lebens, du weckst in uns die Sehnsucht nach Erneuerung unserer Welt. Lass uns erkennen, wo dein Reich heute schon unter uns ist. Gib uns die Kraft und den Mut zu tun, was dem Frieden dient, und dein Heil zu erwarten. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. 
Gerechter Gott, du widerstehst dem Unrecht und vertrittst die Sache der Armen und Schutzlosen: leite uns dazu an, beharrlich zu widerstehen, wo Gerechtigkeit mit Füßen getreten wird, und gib uns den Mut, dafür zu streiten, dass Frieden werde und Recht an allen Orten, um deines Namens willen.

Amen.

Inge Reif