Konfirmation am Sonntag Jubilate

im Gemeindezentrum EMMAUS in Bremthal

Thema: Alles hat einen Haken

Predigt: Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Warum gehst du zur Konfirmation? Warum tust du dir das an? Jede Woche da hin! Sachen auswendig lernen, bei denen womöglich nur der Pfarrer denkt, sie seien wichtig! Wenigstens zweimal im Monat zum Gottesdienst! Donnerlüttchen, wozu?

Haben sie bei dir zuhause auch gesagt, „das gehört sich so“, „die Oma würde sich freuen“, „wir sind alle gegangen, du gehst auch“ oder bist du hingegangen, weil deine Freunde auch dabei waren? Oder, das will ich nicht ausschließen, weil du tatsächlich, was wissen und in Erfahrung bringen wolltest? Es soll auch vereinzelt Fälle sich abzeichnender Geschäftstüchtigkeit geben. Da hat man gerechnet und gefunden, dass man auf einen Stundenlohn von ungefähr € 12,50 kommen kann – ohne Erschwerniszulage – und das liegt deutlich über dem Mindestlohn, ist freilich stark abhängig von der Entwicklung auf der Einnahmenseite am Ende der Konfirmandenzeit.

Was man sich vorher immer für Gedanken macht! Und dann kommt es so oft ganz anders. Da gab’s Momente, die haben einfach Spaß gemacht. Sich ausprobieren, bislang Ungedachtes denken, Fragen stellen und sich Fragen stellen, manchmal die Dinge wie unter dem Mikroskop betrachten, Leute kennen-lernen, Erlebnisse, Empörung, Begeisterung, Aufregung mitei-nander teilen. Und mit einem Mal bist du gefragt, nicht nur formal, sondern ganz ernsthaft und als Person: Wie hältst du es mit dem Glauben? Wo ordnest du dich und dein Leben ein? Das ist erstmal ungewohnt und auch ganz schön schwer. „Woher soll ich das wissen?“ „Wer weiß, wie ich das morgen sehe?“

Aber es ist jetzt deine Freiheit zu entscheiden und, manche sagen, das sei der Haken daran, es sei auch deine Verantwortung. Die beiden „Freiheit“ und „Verantwortung“ seien sozusagen Milchschwestern, die eine gebe es ohne die andere nicht. Ist ja klar, in dem Moment, in dem du frei entscheiden kannst, musst du die Entscheidung auf deine Kappe nehmen. Heute ist so ein Moment.

Zur Erinnerung daran bekommt ihr einen Haken. Einen Haken? Ja, vielfach einsetzbar, aber das könnt ihr ja dann ausprobieren. Ein Haken, weil so ziemlich alles, was wir entscheiden können, einen Haken hat. Die Redewendung meint, dass ein Sachverhalt, der erst ziemlich günstig und unproblematisch wirkt, sozusagen auf der Rückseite auch einen Nachteil besitzt. So wie der fette Köder, der den großen Fisch angelockt hat und ihn hungrig zuschnappen lässt, so dass er erst zu spät bemerkt, dass sich ein Haken darin befindet, der ihn jetzt nicht mehr von der Angel lässt.

Ein Haken, den jede Entscheidung in sich trägt, ist, indem ich mich für das eine entscheide, entscheide ich mich gegen etwas anderes. Und weil in der Summe unser Leben doch nur so kurz ist, wie im günstigen Fall 80 oder 90 Jahre lang sind, bleibt es bei ganz vielen ungelebten Lebensmöglichkeiten.

Als Paulus ungefähr 23 Jahre alt war, traf ihn etwas, was ihn dazu brachte, sich für Christus zu entscheiden. Wie bei unseren Entscheidungen auch, kann man sich fragen, wie frei war er dabei eigentlich, oder hatte der Entscheidungsprozess nicht eine gewisse Zwangsläufigkeit. Jedenfalls dürfte es das Jahr 33 nChr. gewesen sein, in dem er sich zur Taufe entschied und Christ wurde. Damit war es um eine glänzende Karriere bei den jüdischen Gemeinden aber auch im Römischen Staat geschehen.

Offenbar war er davon ganz erfüllt, so dass er auch anderen davon berichten und sie für diesen Christus gewinnen wollte. Um das zu tun, scheute er keine Mühen und Strapazen. Begeisterung überwindet Hindernisse. Denkt mal nur an Liverpool und die Anfield Road letzte Woche!

Mit solcher Begeisterung kann man auch Gegenwind aushalten. Davon kriegt Paulus genug. Immer wieder landet er im Gefängnis, weil er anderen Konkurrenz macht mit seiner Botschaft von dem gnädigen Gott, der seinen Sohn für uns ans Kreuz gehen und den Tod sehen lässt, um ihn dann aufzuerwecken von den Toten, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. So redet er. Uns fällt es mitunter schwer, seinen Sätzen zu folgen. Dann ist er ganz weit weg. Andererseits spüren wir auch seine Freude und seine Kraft, die seine eigenen Möglichkeiten weit übersteigt. Das sagt er ja selbst. „Gott ist in den Schwachen mächtig“ [2. Kor 12,9], sagt er. Ein schö-ner Gedanke auch für uns, wenn wir mal schwach sind oder werden. So oder so gelingt es Paulus, ganz viele Menschen zu erreichen und zu überzeugen.

Als man ihn Ende der 50er Jahre gefangen genommen und ihn letztlich nach Rom überführt hat, wo man ihn im Jahr 64 nChr. hinrichtete, hatte er den Brief an die Römer schon geschrieben, von dem wir eben in der Lesung zwei Verse gehört haben. Die lassen eine Haltung erkennen, zu der Paulus in all den Jahren gereift ist. „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen“ [Röm 1,16]. Er schämt sich nicht. Nicht für das, wofür er eintritt. Paulus vertritt die frohe Botschaft von dem liebenden und gnädigen Gott ganz aufrecht, auch wenn ihm das Anfeindung, und, wie wir gehört haben, am Ende sogar den Tod einträgt. Aber was soll der ihm anhaben? Ist doch der Tod, davon ist Paulus überzeugt, durch Christus überwunden und nur noch ein Schatten seiner selbst. „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ [Rm1,17/Hab 2,4], und gerecht ist der, der darauf vertraut, dass Gott ihn gerecht gemacht hat.

Die Sache hat einen Haken. Jetzt aber meine ich es positiv. Du kannst Dich und Dein Leben daran festmachen, kannst dich dranhängen, kannst dich mit deinem Vertrauen darauf verlassen, dass dieser Haken hält. Dich hält. Es ist Jesus Christus selbst.

So kann Martin Luther sagen „Was mein Glaube sein soll“:

„Mir ist es bisher wegen angeborener Bosheit und Schwachheit unmöglich gewesen, den Forderungen Gottes zu genügen. Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir um Christi willen dies täglich beweinte Zurückbleiben vergebe, so ist’s aus mit mir. Ich muss verzweifeln. Aber das lass ich bleiben. Wie Judas an den Baum mich hängen, das tu ich nicht.

Ich hänge mich an den Hals oder Fuß Christi wie die Sünderin. Ob ich auch noch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest. Dann spricht er zum Vater: Dieses Anhängsel muss auch durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle deine Gebote übertreten. Vater, aber er hängt sich an mich. Was will’s! Ich starb für ihn. Lass ihn durchschlupfen.

Das soll mein Glaube sein.“

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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