Gottesdienst am Ostermorgen 2020

Üblicherweise am brennenden Osterfeuer vor dem Gemeindezentrum Emmaus – diesmal zuhause. Und auch als Auszug per Video.

Lesungen:

Jes 53,1-5     

(1) Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart? (2) Er schoß auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. (3) Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. (4) Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. (5) Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Stille

Mk 15,42-47  

(42) Und als es schon Abend wurde, und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, (43) kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete, der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. (44) Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot sei, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben sei. (45) Und als er’s erkundet hatte von dem Hauptmann, gab er Josef den Leichnam. (46) Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür. (47) Aber Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Joses, sahen, wo er hingelegt wurde.

Kanon:           1 Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft./ 2 Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft,/ 3 meine Seele ist stille zu Gott. —

Einzug mit dem Osterlicht

Osterruf 3x:   L: Christus ist das Licht!

                        G: Gott sei ewig Dank!

Lesungen:

Mk 16,1-8      

(1) Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. (2) Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. (3) Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? (4) Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. (5) Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. (6) Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. (7) Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. (8) Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Österliches Lobgebet

Wir sind dein Volk, das dir vertraut, wir waren stumm und rufen laut: Du lässt vom Tod uns auferstehn! Wir waren Blinde, können sehn, und die Gelähmten können gehen, Du lässt vom Tod uns auferstehn! Wir waren Knechte und sind frei, du führst uns aus der Sklaverei, Du lässt vom Tod uns auferstehn! Wir sind die Hand, mit der du heilst, wir sind das Brot, das du verteilst, Du lässt vom Tod uns auferstehn! Wir sind die Menschen, die du liebst, wir sind der Friede, den du gibst, Du lässt vom Tod uns auferstehn! Amen.

Chrismon edition: Chor „Wir danken dir, Herr Jesu Christ“

EG 107           Wir danken dir, Herr Jesu Christ

1) Wir danken dir, Herr Jesu Christ, / dass du für uns gestorben bist / und hast uns durch dein teures Blut / gemacht vor Gott gerecht und gut

2) und bitten dich, wahr Mensch und Gott: / Durch deine Wunden, Schmach und Spott / erlös uns von dem ewgen Tod / und tröst uns in der letzten Not.

3) Behüt uns auch vor Sünd und Schand / und reich uns dein allmächtig Hand, / dass wir im Kreuz geduldig sein, / uns trösten deiner schweren Pein

4) und schöpfen draus die Zuversicht, / dass du uns wirst verlassen nicht, / sondern ganz treulich bei uns stehn, / dass wir durchs Kreuz ins Leben gehn.

Ansprache

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Unsere Osterfreude bleibt verhalten in diesem Jahr. Nicht nur weil wir uns Sorgen machen, was noch geschehen wird und wie wir damit klarkommen werden. Sie bleibt auch verhalten, weil ihr ein wenig der gewohnte Resonanzraum fehlt. Das seid Ihr und sind Sie, all die anderen, mit denen wir sonst Ostern feiern und die Freude teilen.

Da stellt sich erst recht die Frage, worüber wir uns eigentlich freuen können. Uns darüber klar zu werden, dazu regt uns Paulus in seinem 2. Brief an die Korinther an. Hier entfaltet er den großen Plan von Gottes Heilsgeschichte. Er will seinen Leuten sagen, dass sie darin ihren Platz haben. Ich lese die Verse 20-28 im 15. Kapitel:

„20 Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; 24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. 25 Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« (Psalm 110,1). 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. 27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.“

Was ist eigentlich der Zusammenhang von diesem Ostergeschehen und unserem Lebensvollzug?

  • Reicht es aus, Ostern als Teil einer erfreulichen Innenausstattung des Jahres zu betrachten, die freilich ohne Wirkung auf mein Leben bleibt?
  • Reicht es aus, Christus zu verehren als Vorbild der Mitmenschlichkeit, dem wir gerne nacheifern wollen.  
  • Oder reicht es, aus dem Andenken an Christi Auferstehung die Anregung zu entnehmen, die Verhältnisse in dieser Welt zu verbessern?

Paulus reicht es nicht aus, dass die Mitglieder der Christengemeinde mit ausgestrecktem Zeigefinger sagen: „ER ist auferstanden von den Toten.“

Na schön, ER, und was wird aus uns? Diese Frage versucht, Paulus zu beantworten. Dabei klingen Fragen an, die uns umtreiben.

Glauben wir, dass der Tod unserem Leben ein endgültiges Ende setzt? Dass dann alles aus ist? Dass dann unsere Hoffnung für das Leben an ihr Ende gelangt?

Ist dann nicht unser Leben ein Nichts – ein Unsinn. Auch wenn wir uns darin mühen. Ein Unsinn. Auch wenn wir’s ohne Beschwernisse leben könnten.

Was wird am Ende aus der Geschichte, die Gott in Christus mit uns Menschen gemeinsam hat?

Wenn sich hier die Wege trennen, wo Leben und Tod sich kreuzen, wenn Gottes Macht und damit unsere Hoffnung nicht über den Tod hinaus reichen, ist dann Gott noch Gott? Können und mehr noch, sollen wir ihm dann noch unser Leben anvertrauen? Unsere Osterfreude müsste uns im Halse steckenbleiben. Mit Blick auf die Ereignisse rund um den Globus erst recht. Die Toten der Pandemie und alle diejenigen, die ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit noch folgen werden, lassen unseren Osterjubel verstummen oder doch gebrochen wirken.

„Doch nun ist Christus von den Toten auferstanden, als erster“ – genauer übersetzt: „als Erstling“ – „unter denen, die da schlafen“ [1. Kor 15,20].

Wir sehen ein riesiges Feld vor uns, schreibt ein Ausleger, den Acker der Schöpfung, der dem Gesetz der Endlichkeit unterliegt. Ein Kommen und Gehen. Aber Gott hat jetzt auf ihm neues Leben ausgesät. Eine erste Pflanze war aufgekeimt und ist nun dabei, Frucht zu bringen, Erstlingsfrucht: Jesus, der Mensch und Sohn Gottes.

Dann kommt der Schnitter Tod und macht ihn nieder. Aber Gott greift ein. Auf dem Totenacker bestellt ER das Feld der neuen Schöpfung. Jesus ist der Mensch, der ganz aus Gott lebt, ganz in der Gemeinschaft mit ihm. Damit hat er alle alten Gesetzmäßigkeiten durchbrochen. Daran hat der Tod nichts ändern können. Er musste sich geschlagen geben.

Gott hat Jesus zu sich geholt, damit ER mit IHM lebe. Damit ist der Anfang gemacht: „Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten“ [1. Kor 15,21].

Mit Jesus wendet sich das Blatt: Die Menschen von Adam bestimmt und geprägt zum Tod werden zu Christus gehörend zum Leben erweckt werden. Da sind wir als Getaufte direkt betroffen [vgl. Röm 6,3f.]. Darum geht unsere Hoffnung weit über die Grenzen unseres Lebens jetzt hinaus.

Unsere Lebenserfahrungen und unsere Lebenswirklichkeit hat mehr mit der Adams zu tun. Auch wenn wir vom Baum der Erkenntnis genascht haben, bleiben uns Grenzen gesetzt. Lange haben wir das nicht so deutlich gesehen, wie gerade jetzt. Da wird es offensichtlich: Oft scheitern wir an uns selbst. Weil wir uns überschätzen. Weil wir zu wenig im Blick haben, um dem Ganzen wohlzutun. Weil wir zu uns selbst nicht ehrlich sind.

Solange wir von Gottes Neuschöpfung, wie sie in Christus Gestalt angenommen hat, nichts wissen wollen, ist das so. Denn solange werden wir wohl versuchen, an Gottes Stelle zu treten: Herren der Schöpfung und oft genug Herren über Leben und Tod. Als solche werden wir die kühnsten Pläne, derer wir fähig sind, verwirklichen. Das, was wir für unvollkommen halten, werden wir in unserem Sinne verändern: „Und bist du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt…“ [J.W.v.Goethe: Erlkönig]

Das Gesetz der Unterwerfung aber ist eines der Merkmale der unvollendeten Schöpfung. Nicht „leben und leben lassen“, sondern „fressen und gefressen werden“, ist die Devise der unvollendeten Schöpfung. Und der Tod wird nicht satt.

Das bleibt nicht so. Der Auferstandene wendet das Blatt. Er lebt und herrscht, bis Gott ihm alle seine Feinde unter seine Füße gelegt hat, wie Paulus das beschreibt. Sie werden alle klein beigeben müssen, die Lebensfresser, die Gott geleugnet und ihren Eigensinn gemästet haben. „Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod“ [1. Kor 15,26]. Das ist dann endgültig und ein für alle Mal.

Das ist der Zusammenhang, in dem wir stehen. Er reicht einerseits weit über unser begrenztes Leben hinaus. Von ihm fällt andererseits ein helles Licht auf unser Leben jetzt. Wir sind eingeladen, von Ostern aus zu leben. Auch jetzt in der Krise. Und unter den Beschränkungen, die sie mit sich bringt. Ja sogar angesichts der Ängste, die sich unserer heimlich oder unheimlich bemächtigen.

Dieses Ostern ist unsere geistliche Impfung gegen den Tod. Darum können wir singen: „Jesus lebt, mit ihm auch ich!“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Ver-nunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Schulte & Gerth Studiochor – Jesus Lebt, mit ihm auch Ich

EG 115,1.2.5.6

1. Jesus lebt, mit ihm auch ich! / Tod, wo sind nun deine Schrecken? / Er, er lebt und wird auch mich / von den Toten auferwecken. / Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.

2..  Jesus lebt! Ihm ist das Reich / über alle Welt gegeben; / mit ihm werd auch ich zugleich / ewig herrschen, ewig leben. / Gott erfüllt, was er verspricht, / dies ist meine Zuversicht.

5.. Jesus lebt! Ich bin gewiss, / nichts soll mich vin Jesus scheiden, / keine Macht der Finsternis, / keine Herrlichkeit, kein Leiden. / Seine Treue wanket nicht, / dies ist meine Zuversicht.

6.. Jesus lebt! Nun ist der Tod/ mir der Eingang in das Leben. / Welchen Trost in Todesnot / wird er meiner Seele geben, / wenn sie gläubig zu ihm spricht: / „Herr,Herr, meine Zuversicht!“

Meine Auferstehung           

Wer wälzt mir den schweren Stein vom Grab meiner Seele? Er ist sehr groß. Dort ist begraben der Inhalt meines Lebens, die Enttäuschungen meiner Hoffnungen. Schau genau hin, schau hin, sagt der Engel, der Deutebote: Da ist der Platz, da sind die Linnen: Er ist nicht hier. Wer sagt mir, wo sie versteckten den Sinn meines Lebens? Ich hab’s geliebt. Es ist verborgen, was mich bestimmte, was mir das Leben erschloss. Geh dahin zurück, dahin geh, sagt der Engel, der Deutebote: Wo du das Leben fandest, die Quelle, von der du nahmst, sie sprudelt weiter. Wer lässt mich fühlen die Wunden, die das Leben schlug? Sie sind tödlich gewesen. Dass zärtlich wiederkehre die Erinnerung an den Schmerz des Verlustes. Leg‘ den Finger hierher, begreife, wie du willst, die Deuteworte: Auferstanden ist er, den sie kreuzigten, er lebt für dich. Wer reißt mich aus der Müdigkeit, die in der Vergeblichkeit wächst? Ich habe des Nachts gearbeitet und stehe mit leeren Händen da, da der Morgen der Welt graut. Wirf die Netze aus, tu es zur ungewohnten Seite, so sagt der Fremde. Es gibt ein reiches Leben jenseits der Verzweiflung. Komm und iss.

Fürbittengebet

Gott, für jeden Lichtstrahl im Dunkel der Geschichte danken wir dir, für jedes gute Wort im Lärm der Zeit. Wenn wir aufatmen, singen wir dein Lob. Dies ist ein strahlender Tag. Sende uns aus mit der Botschaft der Auferstehung, damit die Welt sich verändert.

Stilles Gebet

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Schulte & Gerth Studiochor – Wir wollen alle fröhlich sein

EG 100 – Wir wollen alle fröhlich sein

1:     Wir wollen alle fröhlich sein / in dieser österlichen Zeit; / denn unser Heil hat Gott bereit‘. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, / gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2:     Es ist erstanden Jesus Christ, / der an dem Kreuz gestorben ist, / dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, / gelobt sei Christus, Marien Sohn.

3:     Er hat zerstört der Höllen Pfort, / die Seinen all herausgeführt / und uns erlöst vom ewgen Tod. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, / gelobt sei Christus, Marien Sohn.

4:     Es singt der ganze Erdenkreis / dem Gottessohne Lob und Preis, / der uns erkauft das Paradeis. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, / gelobt sei Christus, Marien Sohn.

5:     Des freu sich alle Christenheit / und lobe die Dreifaltigkeit / von nun an bis in Ewigkeit. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, / gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

J.S. Bach – BWV 627 – Christ ist erstanden – Wolfgang Zerer, Orgel