1. Sonntag nach Epiphanias

Text: Mt 3,13–17

Thema: Taufe und Auferstehung

Ev. Emmausgemeinde Eppstein

Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Mt 3,13-17: 13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. 14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm zu. 16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. 17 Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Johannes der Täufer kann als Fachmann gelten. Das hat sich herumgesprochen. Viele kommen zu ihm. Er verkörpert geradezu eine Gestimmtheit seiner Mitmenschen in Palästina. Sie alle warten darauf, dass sich etwas grundlegend ändern möge. Diese Erwartung hat sich nicht plötzlich eingestellt. Sie ist über lange Zeit gewachsen, auch zusammengewachsen, denn in ihr Kommen verschiedene Zukunftshoffnungen des jüdischen Volkes zusammen.

Johannes bringt die Sache auf den Punkt. Seine Botschaft lautet: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen!“ [Mt 2,2] Der lange herbeigesehnte Messias ist nahe: „Bereitet dem Herrn den Weg und macht eben seine Steige!“ [Mt 2,3]

„Stellt euch darauf ein“, mahnt Johannes seine Zuhörer. Es geht um Vorbereitung, es geht um Buße. Bequem ist das alles nicht. Johannes selbst hat sich in die Ödnis zurückgezogen, lebt von der Hand in den Mund. Und auch von den Menschen, die zu ihm kommen, verlangt er den Bruch mit unüberlegter und Gott vergessener Lebensweise.

Johannes hat eine Form entwickelt, die veranschaulicht, dass das Alte abgetan ist, und etwas Neues kommen kann. Er tauft, will sagen er taucht den unter, ganz unter, der zu ihm kommt, seiner Botschaft folgt und mit den alten Gewohnheiten brechen will. Wer ihm zusieht versteht sofort, was das Ganze soll: Der alte Mensch stirbt, geht unter, wird ersäuft, damit der neue Mensch zum Vorschein kommen kann.

Nun also kommt Jesus zu ihm. Er will sich taufen lassen. Das passt gar nicht in das Koordinatensystem des Täufers. Statt dass ich dich taufe, solltest du lieber mich taufen. Da denkt er, wie wir auch gerne denken – in Rangfolgen, in oben und unten, höher und tiefer. „Lass es jetzt geschehen!“ sagt Jesus, und fügt als Argument an: „Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ [Mt 3,15] „Uns“, sagt er, und macht damit den Täufer zum Mitarbeiter an seinem Projekt. Dessen Zielsetzung klingt in unseren Ohren sperrig: „alle Gerechtigkeit zu erfüllen“. Was soll das heißen? Und was kann daran so Aufsehenerregendes sein? Gibt’s Gerechtigkeit überhaupt, fragt unsere Skepsis? Und wo? Bei Jesus ist die Antwort auf diese Fragen schlicht. Und wo wir unsere Stirn zerfurchen und uns in komplexen und sicher auch endlosen Erwägungen verlieren, macht er uns klar: Gerechtigkeit ist dort, wo wir dem Willen Gottes entsprechen. Das ist nicht die Dame mit den verbundenen Augen und er Waage in der Hand. Gerechtigkeit, das bedeutet, dem Willen Gottes zu entsprechen. Also tu, was du tun sollst, Johannes!

So geschieht’s. Wie, das beschreibt Matthäus nicht, das weiß man. Weiß man’s? In etwa: Johannes tauft im Fluss, im fließenden Wasser des Jordan. Er holt damit die zwiespältigen Gefühle seiner Landsleute in diese Zeremonie. Für sie bedeutet das fließende Wasser einerseits Leben. Der Fluss ist in dieser Wüsten nahen Region der Garant des Lebens. Andererseits sitzt die Furcht vor Wasser, insbesondere Wassermengen tief in ihnen, so als seien sie selber Zeugen der Sintflut oder wenigstens des Zuges durch das Schilfmeer gewesen. Ja, die Viehzüchter und Bauern Palästinas haben nichts mit Wasser in Massen, nichts mir Meer und Seefahrt am Hut.

In seiner Predigt hat Johannes deutlich gemacht, dass hier um Leben und Tod geht. Der Ort der Handlung ist also gut gewählt. Wer sich taufen lassen will, steigt in den Fluss. Dort steht Johannes, der Fachmann, dessen Markenzeichen die Taufe ist. Er taucht einen unter zusammen mit allen Vorbehalten und Ängsten.

Warum macht Jesus das mit? „Um alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ – das wissen wir schon. Und welche Bedeutung hat diese Taufe dabei? Gott taucht ein in dieses Leben. Er nimmt teil an diesem Zwiespalt, der unser ganzes Dasein beschreibt, diesem Zwiespalt zwischen Geburt und Sterben, Leben und Tod. Da hinein senkt sich Gott in Jesus. Das geschieht nicht halbherzig, sondern ganz – bis zum Untergang. Insofern verweist die Taufe schon auf das Kreuz. Dieser Gott ist kein bloßer Ankündiger, kein wandelnder Versprecher. So wie Jesus hier untergetaucht wird, gleichsam stirbt – noch ist es ein Zeichen, bald wird es Wirklichkeit sein –, so wird er auftauchen, auferstehen in ein neues Leben.

Matthäus legt den Schwerpunkt seiner Erzählung ganz offensichtlich nicht auf die Taufe selbst. Die haben schon viele bei Johannes dem Täufer erlebt. Hier aber ereignet sich im Zusammenhang der Taufe, aber eben nachdem Jesus den Fluss verlassen hat, etwas, was nur IHM widerfährt. „Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf“ [Mt 3,16] Das kann und muss zu diesem Zeitpunkt niemand verstehen. Das entzieht sich der allgemeinen Wahrnehmung, geschieht vielleicht auch deshalb nicht dort, wohin alle Aufmerksamkeit gerichtet ist: Auf die Taufe im Fluss. Nein, dass sich der Himmel auftut, das ereignet sich sozusagen nebenbei. Und doch ist das die eigentliche Taufe Jesu. Gott kennzeichnet und formuliert die Beziehung: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ [Mt 3,17]. Der Geist Gottes kommt auf ihn. Das ist die Christus-Taufe.

Und all unser Taufen, weit weg vom Jordan, ja selbst weit weg vom Untertauchen und Auftauchen, bezieht sich auf die Taufe durch Gottes Geist, ist an sich schon Ausdruck der Nachfolge Christi.

Und das war’s dann, oder? Oft genug sieht es so aus. Taufe und dann nichts mehr. War das bei Ihnen anders? Vielen wird es so ergehen, dass Taufe und die Beziehung zu Gott für einige Zeit, manchmal für lange Zeit in den Hintergrund rücken. Da ist so viel Lebenslust und Lebenskampf, dass das Selber-Wollen und Selber-Können alles andere überdeckt. Statt aus dem Fluss zu steigen, schwimmen wir im Strom. Da muss man halt paddeln, um sich über Wasser zu halten, um nicht unterzugehen. Ganz schön anstrengend und – auf lange Sicht – vergebens.

Und der offene Himmel? Ist der nur was für Spezialisten? Gibt’s den auch für dich und mich? Ja, den gibt’s. Er ist eine Möglichkeit, wenn Gott mich sucht und tut, was er will. Und er ist eine Möglichkeit, wenn ich Gott suche, wenn ich ganz ernsthaft und tief, aber auch wenn ich ganz fröhlich und frei mich Gott hingebe. Und er bleibt eine Möglichkeit, auch wenn alles dagegenspricht und ich längst untergetaucht bin in Sorgen, in Nöten und Ängsten.

Was muss, was kann ich dafür tun? Luther hat in seiner abschließenden Verteidigungsrede für seine Glaubensüberzeugung vor dem Reichstag in Worms 1521 das eine und einzige, was wir tun können und sollen benannt: Das Festhalten an Jesus, dem Christus,

  • von dem wir vielleicht lange nicht wissen, ob er halten kann, was er verspricht;
  • von dem wir zwar Gottes Aussage gehört haben „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“, sie aber kaum verstanden oder für wahr gehalten haben;
  • von dem am Ende der Hauptmann derer, die den Gekreuzigten bewachen, sagen wird: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ [Mt 27,54]

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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