Abendmahlsgottesdienst zur Konfirmation

Text: 1. Kor 12

Thema: Die Gemeinschaft der Christen

Ev. Emmausgemeinde Eppstein

Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Den Text aus der Lesung kennt Ihr! „Gemeinschaft“ war ja Euer Thema. Und das Bild des Paulus vom Leib und seinen Gliedern ist selbst so anschaulich, dass man dazu gar nicht mehr viel zu sagen braucht. Ist doch klar: Eine Gemeinschaft setzt sich aus verschiedenen Beteiligten zusammen. Die sind unterschiedlich und die nehmen auch ganz unter-schiedliche Rollen oder Aufgaben in dieser Gemeinschaft wahr.

So haben wir das im zurückliegenden Konfirmandenjahr auch erlebt. Da saß die Vorsichtige neben der Unbekümmerten, der Draufgänger neben dem Leisetreter, die Ängstliche neben dem Vorwitzigen. Und anfangs war überhaupt nicht klar, dass daraus etwas werden würde. Einige kannten die andern kaum, andere trafen die Klassenkameradinnen aus der Grundschule wieder. Mit denen sich mal wieder auszutauschen, das war toll. Blöd war’s für die andern, die denken mussten, da passt kein Blatt zwischen, ich also auch nicht.

Wenn man hier zum ersten Mal zum Gottesdienst kommt, geht’s einem vermutlich so ähnlich. Selbst wenn die Glocken schon läuten, erfüllt ein lautes Stimmengewirr den Raum. Es gibt ja auch so viel zu erzählen – aus der vergangenen Woche! Man kennt sich. Ob ich da dazu passe? Die werden nicht auf mich gewartet haben. Nach dem Gottesdienst geht’s ja so ähnlich weiter. Lauter Gruppen und Grüppchen stehen zusammen, unterhalten sich und genießen ihre Gemeinschaft. Wie soll da bloß jemand von außen reinfinden? Mir fällt nichts Besseres ein, als der Rat, dem Unbeachteten besondere Aufmerksamkeit zu schenken. So hat ja auch Paulus geschrieben: „…und die uns weniger ehrbar erscheinen, die umkleiden wir mit besonderer Ehre; und die wenig ansehnlich sind, haben bei uns besonderes Ansehen“ [1. Kor 12,23]. Das vergessen wir gerne, vielleicht sind wir auch nur zu bequem, dem Unbeachteten unsere Aufmerksamkeit zu schenken.

Ihr habt bestimmt bemerkt, dass das nicht nur hier in der Gemeinde passiert, sondern auch auf dem Schulhof. Da sehe ich auch in der Pause oder vor dem Unterrichtsbeginn einzelne allein und am Rande stehen, als gehörten sie nicht dazu. Und wie auf dem Schulhof, so verhält es sich auch in der Gesellschaft. „Die uns weniger ehrbar erscheinen“ [1. Kor 12,23], wie Paulus sagt, die heißen hier die Habaks, übrigens wörtlich „die Minzen“, oder die Kanaken, ursprünglich Ureinwohner der Südseeinseln, besonders Neukaledoniens. Vermutlich kennt Ihr noch andere Beispiele. Aber schon die Redeweise verrät, für so einen hat man nicht eben viel übrig. Der könnte auch „bleiben, wo der Pfeffer wächst“.

Zu der Gemeinschaft, zu der wir hier gehören, passt das nicht. Da gilt für jeden: Eigentlich gehöre ich ja schon dazu. Jedenfalls, sofern ich getauft bin und ich mich zu Jesus Christus bekenne. Und trotzdem kann es geschehen, dass ich mir vorkomme wie der Blinddarm, bei dem selbst die Fachleute lange nicht wussten, wofür der da sein soll. Aber er ist da. Und um im Bild des Paulus zu bleiben, auch der Blinddarm gehört zum Leib. Hochmut und Geringschätzung haben hier nichts verloren, genauso wenig wie Ausgrenzung und Missachtung. Im Gegenteil, das muss uns auf den Plan rufen, denn „wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit“ [1. Kor 12,26].

Die Korinther, denen Paulus geschrieben hat, haben in ihrer jungen Gemeinde offenbar sehr schnell feine oder große Unterschiede zwischen den Gläubigen gemacht. Die kamen von überall her in dieser großen Hafenstadt zusammen. Unter all den Menschen gab es welche, die hielten sich offenbar für etwas Besseres. Wenn man es darauf an-legt, kriegt man das leicht hin. Irgendjemand, auf den man meint herabsehen zu können, wird man immer finden. Aber das soll nicht sein, denn „Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, 25 auf dass im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder ein-trächtig füreinander sorgen“ [1. Kor 12,24f.].

Hab‘ ich das richtig verstanden: Unsere Aufgabe ist es, füreinander zu sorgen? Es gibt Jugendliche und Erwachsene, die kümmern sich um die Kinder, und Jugendliche, die für andere Jugendliche sorgen, und Leute, die sich um die Alten und Kranken kümmern oder um die, die in Not geraten sind. Das wenigste wird man an die große Glocke hängen, das meiste geschieht im Hintergrund. Und das ist viel.

Unsere Aufgabe, also auch Eure ist es, füreinander zu sorgen. Für die Mitglieder der Gemeinde Jesu Christi gibt es keinen Clubausweis und kein All-inclusive-Armbändchen, damit man sich am Buffet oder der Bar kostenlos bedienen kann. Nein, wir sind berufen, für andere da zu sein, unsere Gaben für das Ganze einzusetzen und unseren Platz im Leib Christi – das ist ja das Bild des Paulus für die Kirche und ihre Gemeinde – einzunehmen. Es hilft nichts, wenn wir auf andere zeigen und anklagen: „Warum habt ihr nicht?“ Wenn wir so an die Sache herangehen, ähneln wir der Hand und dem Ohr, von denen Paulus schreibt: „Wenn nun der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum gehöre ich nicht zum Leib!, gehört er deshalb etwa nicht zum Leib? 16 Und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib!, gehört es deshalb etwa nicht zum Leib? [1. Kor 12,15f.] Entweder wir bekennen uns zu Christus, dann sind wir Christen und zum Dienst berufen, oder aber unser Bekenntnis war eine hohle Phrase oder eine freche Lüge. 

Als die Korinther unter Paulus Anleitung das Abendmahl gefeiert haben, hatten sie diesen Leib Christi unmittelbar vor Augen. Denn anders, als in der Gesellschaft ihrer Zeit, auch anders, als in Korinth selbst, wo die verschiedenen Gruppen, die Armen und die Reichen, Sklaven und Freie, die Griechen und Römer, die Juden und die Verehrer fremder Gott-heiten fein säuberlich voneinander getrennt lebten, reihten sich beim Abendmahl Menschen der verschiedensten Herkünfte, Schichten und Überzeugungen ein. Eine große schon im Kleinen universale Gemeinschaft, deren Haupt der Eine, der Christus, war.

Alle dürfen wissen, damals wie heute, dass Gott sie liebt und in seine Gemeinschaft eingeladen hat, damit sie das Brot brechen und vom Kelch des Heils trinken. Das soll sie stärken und ermutigen, dass sie ihren Platz in der Gemeinschaft ein-  und ihre Aufgabe annehmen. So wollen wir nachher miteinander die Mahlgemeinschaft feiern: Eingeladen an den Tisch des Herrn und berufen in seinen Dienst.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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