Pfingsten

Thema: „Etwas hat mich entzündet…“

Ev. Emmausgemeinde Eppstein

Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Was würden Sie sagen, wenn sie auf Ihrem Spaziergang mit einem Mal vor einem Dornenbusch stünden, aus dem die Flammen schlagen, ohne dass er verbrennte und obendrein aus ihm eine Stimme Sie anspräche? [vgl. 2. Mos 3,2]

Oder was würden Sie sagen, wenn eine Stimme von irgendwoher sie anspräche, „Du sollst gehen, wohin ich dich sende“ [Jer 1,7].

Oder wenn einer, sagen wir eine Zufallsbekanntschaft, sie aufforderte, „Folge mir nach!“ [vgl. Mt 1,19]

Hätte eine solche Aufforderung Chancen? Er trifft bei vielen auf einen vollen Terminkalender. Eng getaktet folgt Thema auf Thema, Gespräch auf Gespräch. Der Kopf ist voll, das Herz manchmal auch. Gepriesen, wer alles im Blick behält und umsetzt, was er soll und muss! Von wegen Spielraum! Vielleicht wenn wir andern beim Spielen zusehen. Für manche das Hochamt der Woche! Und Begeisterung pur. Endlich kann man wieder ein „Wir“ fühlen. Gemeinsam leiden und gemeinsam feiern. Das ist das Leben! „Oh, wie ist das schön!“

Und was ist all das andere? Das Funktionieren? Der Optimierungszwang? Die Selbstreduktion auf das eigene Ich? Das Rennen und Hasten, Schieben und Drängeln, der kleine Vorteil im morgendlichen Stau, die Pool-Position beim Sprung auf die Karriereleiter?

Würden Sie alles stehen- und liegenlassen? Einfach den eingeschlagenen Kurs ändern? Vorhaben canceln? Gewohnheiten aufgeben? Und umgekehrt, sich ganz und gar einlassen, ja, sich hingeben, dem Ruf folgen?

Was heißt hier, „würden Sie“? Wir haben das erlebt und gelebt, oder etwa nicht?

Immer an Pfingsten sind wir im Dekanat Oppenheim mit den jugendlichen Kindergottesdienst-MitarbeiterInnen für ein paar Tage weggefahren, um uns weiterzubilden aber auch die Gemeinschaft zu genießen. Da wurde auch viel gesungen – und mit Inbrunst! Ein Lied fällt mir sofort wieder ein, das damals nicht fehlen durfte: „Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe. Einer hat uns aufgeweckt und das Feuer brennt hell“ – das war der Refrain. Und was wir sangen, das war so. Wir waren angesteckt und das Feuer brannte hell. Es gibt genug, bei denen ist es auch gar nicht wieder erloschen – oder jedenfalls nicht ganz.

Solche Momente, in denen der Dornbusch brennt, in denen ein Wort, eine Begegnung dem Leben eine neue, eine andere Wendung gibt, Momente, in denen die Begeisterung alle Erstarrung und alle Verstockung löst, an die zu denken, die zu erinnern, dazu möchte Sie jetzt auffordern.

Was Ihnen einfällt, das könnten Sie auf dem kleinen Kärtchen notieren. „Etwas hat mich entzündet…“ Nachher möchten wir die hier vorn anheften.

Derweil stellen wir Ihnen das angesprochene Lied vor. Frau Henrichs spielt die Melodie einmal – die Konfis teilen ganz rasch die Liedblätter aus.

So geht der Refrain. (1 x vorsingen)

„Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe. Einer hat uns aufgeweckt und das Feuer brennt hell.“

– und jetzt versuchen wir’s zusammen.

Gibt’s schon niedergeschriebene Erinnerungen?

Die Rückmeldungen, auf postkartengroße rote Karten geschrieben, auf die „Etwas hat mich entzündet…“ gedruckt steht und ein Streichholz aufgeklebt ist, werden an einer aus Bändern gestalteten auflodernden Flamme befestigt.

Die Flüchtlingskrise hat mich politisch aktiv werden lassen – …er sagte, spring ins Wasser und lass los! – Zwergenburg 2 x – Orgelspiel – Der Ruf: Folge mir nach! – Die Freundschaft in der Mittelstufe zu einer Pfarrerstochter (und herzliche Aufnahme in dieser Familie) – Der Glaube an Gott, wenn es nur noch sehr wenig Hoffnung gibt – Wo einer oder zwei… – Der Aufruf von Kirchengemeinden an einer Demo gegen rechte Gesinnung die Stimme zu erheben – Ein neues Leben – danke – Der Ruf des Kuckuck im Schilf, der Geruch des Sommers, der blaue Himmel und die Sonne. Welch  Glück zu leben! In Gottes Schöpfung! – Ein Pfingstgottesdienst im Krankenhaus Gilead. Ich war 10 Jahre alt. – Anderen Menschen zum Beispiel in Afrika zu helfen und sich für andere einsetzen

Noch eine Strophe…

Etwas hat mich entzündet… oder einer hat mich angesteckt

Das Kreuzprojekt in Emmaus – Die Flamme der Kerze bei der Taufe unseres Urenkelkindes  – Den Klimawandel voranzutreiben (gemeint ist wohl „einzudämmen“). Damit unsere Kinder noch eine lebenswerte Welt haben – Trotz Schicksalsschlägen geht die Sonne jeden Tag auf. Glauben ist wichtig. – Die Liebe zu meinem Mann und meinen Kindern – Zusammentreffen durch kirchliche Veranstaltungen. Auch wenn Freunde und Verwandte über ganz Deutschland verteilt sind, werden sie durch Taufen, Hochzeiten, Kommunion immer wieder zusammengeführt, auch wenn sie sich sonst selten sehen. – Die Liebe – Anfang 2000 war ich draußen im Wald. Ich habe zu Gott gebetet, dass ich den Menschen, die Schmerzen haben, helfen kann. Da habe ich eine Welle der Wärme gespürt, die durch mich floss und durch die Finger rauskam. Ich wusste nicht, was geschehen war, aber kurz danach habe ich erkannt: Es war die Gabe des Händeauflegens. – Meine Kinder haben meine Kraft in Verantwortung kanalisiert. Ein Gefühl, über das ich sehr dankbar bin. – Trauung – Ich brenne für das Hotelfach, das Arbeiten mit Menschen hat mich mit viel Freude und Engagement im Hotel arbeiten lassen. – Kinderlachen spornt an, mobilisiert oft meine Kräfte.

Oh ja, etwas hat uns entzündet – und nicht nur einmal! Darum stehen wir immer wieder auf. Darum machen wir immer weiter. Darum geben wir nicht auf. – Wenn aber das „etwas“, das uns entzündet, nicht irgendetwas ist, sondern EINER, wenn zur Sache, die uns für sich einnimmt, noch die Beziehung zu diesem EINEN tritt, der uns für sich einnimmt, dann brennt das Feuer hell.

Und dann wird wahr, was Jesus seinen Jüngern sagt: Dann nimmt Gott Wohnung in uns. „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“ [Joh 14,23].

Dann erwärmt ER unser Herz, dann formt ER unsere Gedanken, dann spricht ER aus unseren Worten, dann lenkt ER unsere Schritte und führt ER unsere Hand.

„…der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ [Joh 14,26].

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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