Drittletzter Sonntag d. Kirchenjahres – 8.11.2020

Text: 1. Thess 5,1–6(7–11)

Thema: Halt in der Hoffnung

Ev. Emmausgemeinde Eppstein

Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Wenn wir uns in diesen Tagen in Richtung Zukunft bewegen, und sei es auch nur das Morgen, bewegen wir uns tastend, oft unsicheren Schrittes. Oft wirken die Umstände auf uns, als seien Berechenbarkeit und Klarheit aus unserem Leben gewichen. Wie viele Pläne haben wir geschmiedet und mussten sie wieder verwerfen, wie viele Verabredungen absagen, Gewohnheiten – auch wertvolle und liebgewonnene fahren lassen?! Keine Frage, das hat uns auf der anderen Seite eine ganz neue Konzentration ermöglicht auf die Dinge, die wir als wirklich wichtig erkannt haben. Dazu kommen eine ungeahnte Offenheit und Flexibilität,

In diesen Momenten, in denen die Unsicherheit uns alle Konzentration abverlangt, die Unberechenbarkeit uns zur Flexibilität zwingt und die Klarheit über das, was sein wird, im Nebel verschwimmt, in diesen Momenten des Lockdowns ist es, als seien wir eben auf dem Mond gelandet.

Die Erde, unseren blauen Planeten, den Ort unseres Lebens und den Spielplatz unserer Alltagsbewältigung, sehen wir mit großem Abstand. Fast wehmütig erkennen wir, wie gut wir’s dort hatten. Das, was uns eben noch leicht und locker von der Hand ging, verlangt nun unsere ganze Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Überall lauern Gefahren und Risiken, und immer wieder bläut man uns ein, wie wir ihnen zu begegnen haben. Aber dünn sind die Nabelschnüre, die uns mit den anderen verbinden. Und doch, kostbar ist dieser Blick von ganz woanders her auf unseren Planeten und unser Leben.

Viel klarer als jemals zuvor sehen wir dieses Leben als etwas, „was also so, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist.“ [Niklas Luhmann: Soziale Systeme, 1984, S. 152, Luhmann 1993] Und in uns raunt der Psalmist: „Siehe, meiner Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben!“ [Ps 39,6] „Ach so, ja, das hatte ich vergessen“, antwortet kleinlaut unsere innere Stimme.

Jetzt kommt Paulus und lenkt unseren Blick in diese Zukunft. Bei ihm findet sie ihr Ziel an dem Tag, da der Auferstandene wiederkommt. Das ist der Tag, an dem die Geschichte dieser Welt zu ihrem Ende kommt. Hier rammt er einen Pflock ein, von hier aus – und das ist nicht der Mond! – betrachtet er das Treiben der jungen Christengemeinde in Thessaloniki. Er schreibt im 5. Kapitel:

1. Thess. 5,1 Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; 2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. 4 Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. 6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. 7 Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. 8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. 9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus, 10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. 11 Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

Für Paulus uns seine Freunde in Thessaloniki hat die Botschaft vom Ende dieser Zeit etwas Tröstliches. Kein gut funktionierendes Gesundheitssystem, kein staatliches Sozialsystem, kein „Recht auf“ alles polstert ihr Dasein aus. Darum – es kann nur besser werden, ziehen sie Trost und Ermutigung aus des Apostels Worten. So, so ungerecht, so bedrängend erdrückend, so leidvoll geht es nicht endlos weiter! Damit hat es ein Ende! Dieses Ende freilich beinhaltet eine grundlegende, eine umfassende Verwandlung, eine Neuschöpfung der Welt. Was war, wird nicht mehr sein.

Die Wahrer des Status quo „sagen: ‚Friede und Sicherheit‘“ und haben keine Ahnung, denn „dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen.“ [1. Thess 5,3] „Aber Ihr wisst das besser“, erinnert Paulus die Seinen: „Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme.“ [1. Tess 5,4] Denn Ihr wisst, was Euer Herr angekündigt hat und was am Ostermorgen seine Bestätigung gefunden hat. Seinen Namen, den Namen des Herrn, tragt Ihr, damit dieser kommende Tag auch Euer Tag sein wird. So ungewiss auch alles andere sein mag, Ihr könnt einordnen, was geschieht, im Lichte der Geschichte von Jesus Christus. Sie hilft euch zu deuten. Sie selbst bedeutet euch, wer ihr seid und was diese Welt ist, in der ihr lebt. Wer all das nicht weiß, der wird anders deuten und anders verstehen. Für den mag auch der Tag des Herrn allererst ein Tag des Zorns sein.

Aber Ihr Christen, Ihr tappt nicht im Dunkeln! Auch euer Horizont wird sich nicht verfinstern. Ihr seid auf dem Laufenden. Der Tag des Herrn – wohlgemerkt, es ist nicht eine “Nacht des Herrn”! – der Tag des Herrn ist eure Zeit. Ihr könnt euch sogar darauf freuen, denn ihr kennt den Herrn. Er ist euch nah, es ist euer Herr, kein Fremder.

“So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.” [1. Thess 5,6] Das sind Kennzeichen einer eschatologischen Existenz. Sie rechnet mit dem Ende. Sie grenzt Endlichkeit nicht aus, auch nicht diese endgültige Endlichkeit. Sie rechnet damit, ohne deshalb in Kopflosigkeit oder alles verschlingenden Kummer zu verfallen. Sie hat etwas zu erwarten. Deshalb geht sie nüchtern darauf zu und, wie Paulus das in den folgenden Versen beschreibt, “angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil”. [1. Thess 5,8]   

Eine friedvolle Ausrüstung ist das! Den Dreiklang kennen wir von Paulus: „Glaube, Hoffnung und Liebe – diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen“ [1. Kor 13,13].

So sollen wir der Welt begegnen und denen, die es schwer haben zu glauben, zu hoffen und zu lieben. Wer jemals eine Rüstung, eine Ritterrüstung getragen hat, weiß, wie schwer die ist. Die friedvolle Rüstung hat ein eigenes, ein spezifisches Gewicht. Man darf es nicht unterschätzen. Aber, wo wir sie tragen, da wird manches möglich. Die Frauen um Sandra Rösner, die sich am 19. September in der warmen Herbstsonne trafen, können hier etwas vorweisen.

Sandra Rösner stellt die Aktion und ihr Ergebnis vor.

Sieben Frauen haben mehr als siebzig Segenskärtchen für Gemeindeglieder gestaltet.

Aktion Segenskärtchen.

„Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut“ [1. Thess 5,11], schreibt Paulus an die Thessalonicher. Das zu tun, freilich in Bremthal, Ehlhalten und Niederjosbach, helfen die schönen Segenskärtchen! In den nächsten Tagen sollen sie ihre Bestimmung finden – trösten und erbauen. Denn unsere Hoffnung ist größer als unsere Beschwernisse und Nöte. Gott macht das Leben neu. Er kommt, einen neuen Himmel und eine neue Erde und ein Leben ohne Leid und Tod ins Werk zu setzen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.