Trinitatis

Text: 4. Mose 6,22–27

Thema: Der Herr segne dich

Ev. Emmausgemeinde Eppstein

Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

In diesen Tagen sind wieder etliche Geburtstagskarten zu schreiben. Bedeutende „Runde“ sind dabei, die uns an Menschen denken lassen, die schon seit geraumer Zeit Weggefährten und Freundinnen sind. Wenn wir so an jemanden denken, füllen sich die Gedanken mit Wärme und Zuneigung. Sie wollen hin zum Bedachten, wollen ihm oder ihr nahe sein und zumindest symbolisch die Hand über sie halten. Gott schütze dich! Gott sorge dafür, dass Du es guthast! Gott hilf, dass es wieder besser werde!

Uns tut es gut, wenn dabei ein anderer ein gutes Wort für uns übrighat. Wenn uns etwas „gutgesagt“ wird – lateinisch benedicere. Ein sehr altes Beispiel wurde in Jerusalem auf zwei Silberröllchen gefunden, die in die Zeit vor 600 v.Chr. zu datieren sind. Die Worte dort sind uns wohlvertraut. Das liegt auch daran, dass Martin Luther sie in seine „Deutsche Messe“, 1526 eingefügt hat. Seitdem sind sie ein fester Bestandteil unseres Gottesdienstes. Nachzulesen im 4. Buch Mose, Kapitel 6, die Verse 22-27:

(22) Und der HERR redete mit Mose und sprach: (23) Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: (24) Der HERR segne dich und behüte dich; (25) der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; (26) der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. (27) Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Sprachlich ist hier bei diesem frühen Text wie überhaupt bei den Segensformeln der frühen Zeit das Sein und das Sollen noch nicht in der uns geläufigen Weise getrennt, will sagen: den Tatbestand beschreiben, bewirkt ihn zugleich. Wenn Sie so wollen, ein echtes „Herbeireden“. Das gesprochene Wort verändert Wirklichkeit. Es wird wahr, indem der benannte Sachverhalt und das Verständnis davon einander entsprechen.

So versetzt der Imperativ „segne dich, behüte dich“ den Segensempfänger in den Stand das zu werden, was ihm in der Anrede zugesprochen wird: Ein Gesegneter, ein Be- oder Erleuchteter, ein Begnadeter, ein Angesehener und Befriedeter. Drei Wünsche werden im sogenannten Priestersegen ausgesprochen, den Mose an Aaron und seine priesterlichen Nachkommen ausrichtet, damit sie das Volk so an-sprechen. Drei Dinge werden erbeten: Die Segnung, die Leuchtung und die Zuwendung. Denn drei Wirkungen soll der Segen entfalten: Schutz für die Gesegneten, die Sympathie Gottes und ein Wohlergehen im umfassenden Sinn: Shalom.

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Vom Äußeren zum Innersten der Beziehung, in einer Art Crescendo entfaltet der aaronitische oder priesterliche Segen die wohltuende Botschaft, die Wirklichkeit schafft. Von zentraler Bedeutung ist auch hier der Zusammenhang von Angesehen werden und Ansehen genießen aber nicht bei irgendwem, sondern bei Gott selbst. Gott selbst ist es, der segnet. Niemand kann sich Segen nehmen.

Fulbert Steffensky meint: „Der Segen ist die dichteste und die dramatischste Stelle der christlich-jüdischen Glaubensäußerung. Dort nämlich wird inszeniert, was Gnade ist: nicht erringen müssen, wovon man wirklich lebt.“ [Fulbert Steffensky: Segen: die Grundgeste der jüdisch-christlichen Tradition, Heft 28/1997]

Das muss der bejahen, der segnet, aber ähnlich gilt das für den, der gesegnet wird, jedenfalls, wenn der Segen ihm etwas sagen soll.

Segen für sich gelten lassen, das verlangt das Zutrauen in die Wirklichkeit Gottes, das ordnet das eigene Sein und das eigene Leben in einen Zusammenhang ein, der über uns selbst weit hinausweist. Das heißt: Etwas ohne eigene Aktivität empfangen, Leben einfach annehmen, unsere Grenzen zugeben, das Leben auch im Fragment und in seiner Gebrochenheit als sinnvoll betrachten.

Segen für sich gelten lassen, das verlangt das Zutrauen in die Wirklichkeit Gottes, das ordnet das eigene Sein und das eigene Leben in einen Zusammenhang ein, der über uns selbst weit hinausweist. Das heißt: Etwas ohne eigene Aktivität empfangen, Leben einfach annehmen, unsere Grenzen zugeben, das Leben auch im Fragment und in seiner Gebrochenheit als sinnvoll betrachten.

Insofern ist der Segen der höchste Ort der Passivität. Er ist der tiefste Ort des Nicht-Ich (Gott) und des Ich (Mensch). Es ist der Ort, an dem wir Ich werden, weil wir angesehen werden vom Du; es leuchtet ein anderes Antlitz über uns, als das eigene; es ist ein anderer Friede da, als der mit Waffen erkämpfte und eroberte.

Wenn wir nachher auseinandergehen, sagen wir einander noch das gute Wort – die benedictio: Geh mit Gott – addio, adios, adieu, woraus auch Tschö und Tschüss wurden. Wir vertrauen einander Gott an. Wir wünschen einander Gottes, dass Gott mit uns sei und sein Angesicht uns leuchte – hell und freundlich.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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