Konfirmation
Predigttext: 1. Kor 1,18ff.
Predigtthema: Im Zeichen des Kreuzes
Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Im Bremthaler Feld steht ein Kreuz. Es handelt sich um ein Flurkreuz, das in früheren Zeiten das Ziel von Feldprozessionen war. Hier hielt man inne und bat um gutes Wetter und, dass die Ernte so ausfallen möge, dass alle satt werden würden.

In jüngster Zeit ist dieses Kreuz einmal mehr umgerissen, ja zerstört worden. Das dritte Mal innerhalb von fünf Jahren. Zufall? Oder ist dieses Kreuz jemandem ein Dorn im Auge? Eine Torheit, wie Paulus das formuliert hatte?

Längst vertrauen unsere Landwirte bei der Navigation auf GPS und beim Wetter auf die Wettervorhersage. Und wir, wenn wir Hunger haben, gehen wir einkaufen. Und da müssen wir nicht bitten, sondern bezahlen. Ist jetzt so ein Kreuz nicht völlig unnötig?

Ja, sagt schon Paulus, das Kreuz ist eine Torheit für alle, die nicht daran glauben, dass Christus am Kreuz für uns gestorben ist. Eine Torheit erregt Ärger. Manche halten das Kreuz für unnötig, mindestens überholt. Selbst ist der Mann und die Frau natürlich auch. Andere stören sich daran, dass es – übrigens viel leiser und zurückhaltender als die abendlichen Krimiserien – ein Zeichen ist, das vom Sterben und vom Tod spricht. Und wieder anderen ist der Gekreuzigte selbst ein Ärgernis. Ob dabei seine schier grenzenlose Menschenfreundlichkeit eine Rolle spielt, die mir meine Grenzen und Unzulänglichkeit aufzeigt? Oder ob es sein leise vertretener Anspruch ist, dass mit ihm und diesem Kreuz Gott ein ganz neues Kapitel aufschlägt.

Aber was ist denn neu? Immer noch müssen Menschen leiden und sterben. Wer nahe dran ist, möchte daran verzweifeln. Was hat das Kreuz daran geändert?

Der Christus am Bremthaler Flurkreuz ist, wenn ihr so wollt, ein zweites Mal hingerichtet und in den Dreck gezogen worden. Hätte nicht Gott einen Blitz darnieder fahren lassen müssen, um dem Frevel ein Ende zu machen? Hat er aber nicht. Hat er auch nicht in Golgatha. Vielmehr nimmt er auf sich, was Menschen ihm zumuten.

Damals wie heute sind es Verachtung, Spott, Gewalt und Tod. Ja, dafür steht das Kreuz auch in der Welt, dass es uns erinnert, wo und wie auch immer andere unter Verachtung, Spott, Gewalt und Tod zu leiden haben. Es sagt uns: Widersteht dem, lasst es nicht einfach geschehen, schreitet ein!

Verachtung, Spott, Gewalt und Tod sind aussichtslose Unterfangen. Nicht so das Leben mit dem Kreuz Christi. Das hat eine Perspektive, die die Grenzen des Lebens überschreitet. Es sagt uns: Gott macht das Leben, ja, er macht die Welt neu. Er macht sie so, wie Jesus sie uns vorgestellt hat. In dieser neuen Welt herrscht die Liebe Gottes uneingeschränkt. Da haben Verachtung, Spott, Gewalt und Tod nichts mehr zu melden.

Darin erweist sich, was Paulus behauptet: „Die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind.“

Heute bekommt Ihr ein Kreuz, das in sich die Regenbogenfarben trägt. So wird auf zweierlei Weise an den Bund erinnert, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Einmal, als er seinen Kriegsbogen an den Himmel gesetzt hat und Noah den Regenbogen als Zeichen des Bundes sehen durfte. Ein andermal, als sich mit dem Ostermorgen das Kreuz verwandelt hat von einem Zeichen des Todes zu einem Hinweis auf das neue Leben. Das hat Gott dem Auferstandenen bereitet und mit ihm auch uns, die wir auf seinen Namen getauft sind und zu ihm gehören.

Das hat schon angefangen und nimmt seinen Weg, wo immer wir Jesu Spuren folgen – in kleinen oder größeren Schritten. Das Kreuz auf dem Feld, in der Hand oder um den Hals ruft uns dazu auf: Geht IHM nach! Sucht seine Wege! Leiht IHM Eure Hände und Füße, Euer Hirn und Herz!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.