Exaudi

Thema: Bange machen gilt nicht!

Ev. Emmausgemeinde Eppstein

Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Wie wird das wohl weitergehen? Jesus geht, und wir bleiben zurück. Wie sollen wir ohne ihn klarkommen? Solche Fragen stellen sich die Jünger. Sie fangen an zu brennen, als sie erleben, wie er festgenommen und schließlich ans Kreuz geschlagen wird. Und dann ist er tot! Gilt jetzt noch, was wir glaubten? Gilt jetzt noch, was uns verband? Gilt jetzt noch, was wir hofften? Dass das Reich Gottes unsere Zukunft ist!

Manches sehen sie noch nicht, als Jesus zu ihnen spricht, wie wir es in der Lesung gehört haben. Ob sie es aushielten, wenn sie schon jetzt alles wüssten, was auf sie zukommen wird? „Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen“ [Joh 16,12], erklärt Jesus. Schlechte Nachrichten muss man dosieren, das lernt man im Laufe des Lebens, das weiß man auch in der Politik, sonst führen sie in die Niedergeschlagenheit.

Ist das der Grund, warum erst in den letzten Monaten offen von den abzusehenden Problemen unserer Kirche gesprochen wird. Dass sich die Mitgliederzahl bis 2060 halbieren werde und die zur Verfügung stehenden Finanzmittel dieser Tendenz folgen werden. Wenn wir das all die Jahre angesagt haben, erzählten die sprudelnden Kirchensteuereinnahmen eine Gegengeschichte. „Die übertreiben“, wird manch einer gedacht haben.

Nein. Und dabei sind es nicht einmal die Zahlen, die uns erschrecken. Es ist die innere Entfernung von den Inhalten und Lebensformen der Kirche, die wir bei großen Teilen des Publikums wahrnehmen. Immer häufiger spreche ich bei Trauungen und Bestattungen das Vaterunser (fast) allein. Und in den Konfirmationsgottesdiensten, singt der Kirchenvorstand mit wenigen Begleitstimmen aus dem Publikum die Liturgie. Der Rest schweigt. Und denken Sie an die veröffentlichten Umfragen auf der Zeil oder an anderen Orten des Landes, die offenbaren, dass den Befragten zu Ostern allenfalls der Osterhase und Deko-Elemente einfallen.

Das alles zusammengenommen, ergänzt um die Planungsziffern unserer Kirche, die Stellenkürzungen und -streichungen erwarten lassen, kommen wir, wenn uns an unseren Gemeinden liegt, nach und nach in die Situation der verzagten Jünger. Ja, wir haben Grund, uns Sorgen zu machen und wir tun’s auch im Kirchenvorstand.

Uns beschäftigt die Frage, wie wir jüngere Leute für unsere Gemeinde gewinnen. Wie wir die Brücke schlagen können, zu denen, die uns, unser Denken und Sprechen, nicht mehr verstehen. Wie wir uns erneuern, und das beinhaltet eben auch Neuerungen, und zugleich unserem Herkommen und unserem Bekenntniskern treu bleiben. Wie wir zusammenführen können, was bei uns und auch in der Gesellschaft auseinanderläuft.

Und dabei wünschen wir uns, dass es die Emmausgemeinde in zehn Jahren noch gibt – gerne auch länger – und engagierte Menschen, die ihr Gemeindeleben befördern. Dass die Ressourcen der Beteiligten nicht aufgefressen werden von Verwaltungsaufgaben, dass stattdessen viel Zeit bleibt für Menschen, Glauben und Verkündigung. Dass eine Pfarrperson da sein wird, die zur Gemeinde passt, einer Gemeinde, die sich noch mehr angewöhnt, selbständig zu sein und selbständig zu handeln. Dass die Kinder, die wir jetzt taufen, in ihrer Gemeinde konfirmiert und eines Tages auch getraut werden können.

Und das und noch mehr denken, träumen und hoffen wir und wissen „mit unserer Macht ist nichts getan“ [Martin Luther, EG 362,2]. Exaudi! „Herr, erhöre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!“ [Ps 27,7]

Und tatsächlich in die Sorge mischt sich Zuversicht. Da ist diese wundervolle Botschaft von Gott, der sein Volk führt – auch durch’s finstre Tal [Ps 23,4] und von Jesus Christus, der die Tür für uns weit aufgestoßen hat, dass wir ihm nach durch den Tod hindurch gehen in die lebendige Gemeinschaft der Kinder Gottes. Und da sind Erfahrungen von Gelingen und tiefer, mitunter vielleicht sogar unverhoffter Verbundenheit. Die kann man nicht „machen“, da wirkt ein anderer Geist. Der kommt von Gott, den Paulus bittet, wie es im Epheserbrief heißt, „dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, 17 dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne“ [Eph 3,16f.]

Da gehört er hin. In unsere Herzen! Denn das macht uns stark auszuhalten, Schwierigkeiten zu überwinden, Menschen zu gewinnen und als Gemeinschaft Jesu Christi zu leben.

Das können wir. Es gäbe diese Gemeinde nicht, wenn es anders wäre. Es gäbe dieses Haus nicht, nicht die Orgel, nicht die Glocken, und es gäbe nicht die Stiftung, die wir in weiser Voraussicht am 3. Juli 2005 gegründet haben – rechtsunabhängig, also in der vollen Verantwortung der Gemeinde.

Heute ist der Moment, Sie einmal mehr zu informieren über das Werden und Wachsen, aber auch das Vollbringen unserer Stiftung. Ich darf bitten, Frau Dr. Schürner-Ritter und Frau Schmeckthal… — [Hier folgt der Bericht zum Jahr 2018]

Hier zeigt sich eine großartige Arbeit. Ja, Arbeit! Es steckt unheimlich viel Arbeit darin, die hier von Dr. Schürner-Ritter geleistet worden ist. Und es steckt unheimlich viel Engagement von vielen aus der Gemeinde darinnen, was unterstreicht, dass die Stiftung nichts ist, was der Gemeinde fremd wäre. Nein, sie ist „Fleisch vom Fleisch“.

Aber, darf man, kann man in einer Predigt so viel vom Geld reden? Passt das zusammen Geld und Geist? Wir unterscheiden das gerne, und das ist auch gut so. Andererseits will das, was geglaubt, gedacht, gesagt wird, auch Gestalt annehmen. Spätestens hier kommen die beiden zusammen, und das eine, das Geld, dient dem andern, dem Geist. Wunderbar, wenn das gelingt, aber gleichzeitig kein Grund anzunehmen, man hätte all das selbst bewirkt und erreicht. So viel bleibt unverfügbar, dass wir dankbar und voller Hoffnung auf den sehen, der unter uns und hoffentlich auch in uns wirkt.

„20 Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, 21 dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ [Eph 3,20f.]

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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