Gottesdienste zur Konfirmation

Abendmahlsgottesdienst am 2.10.2020
Text: Apg 16,14-15
Thema: Zugehörigkeit finden
Ev. Emmausgemeinde Eppstein
Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Kennt Ihr Lydia schon. Es ist eine bemerkenswerte Frau. Eine Griechin ihrer Kultur nach. Die Stadt, aus der sie kommt, heißt Thyatira und liegt an der Straße von Pergamon nach Sardes. Heute gehört das zur westlichen Türkei. Das Gebiet war jahrhundertelang von Griechen besiedelt – genaugenommen bis 1923. Lydia ist Geschäftsfrau, Unternehmerin, sie handelt mit dem kostbarsten Farbstoff der Antike, dem Purpur. Ihr wisst sicher, das ist ein roter Farbstoff. Er war damals dem Kaiser vorbehalten. Aus ihrer Heimat ist sie in den Nordosten von Griechenland nach Philippi gekommen. Da gilt sie als Fremde und hat es nicht leicht dazuzugehören. Aber damit geht es ihr wie uns: Wir möchten gerne dazugehören. Die wenigsten mögen es, Außenseiter zu sein.

Wenn sie in Philippi – ich übertrage ihre Geschichte in unsere Zeit – beim Gesang- oder Sportverein fragt, ob sie mitmachen darf, heißt es immer: „Bei uns ist gerade kein Platz für dich.“ Vielleicht spielt dabei eine Rolle, dass sie eine Arbeit verrichtet, die stinkt und schmutzig ist, schlecht bezahlt und verachtet. Eine Arbeit, die den klaren Fluss blutrot färbt. Damit will keiner was zu tun haben. Diese Dinge gibt es immer, womit wirklich niemand zu schaffen haben will.

Irgendwann landet sie am Stadtrand, wo sich Frauen zum Beten treffen, die wie sie Außenseiterinnen sind. Es sind Jüdinnen, die keinen anderen Platz haben, um sich zum Gebet zu treffen. Sie erzählen sich, dass das, was ist, nicht alles ist. Dass einer aus dem Osten kommen wird, der Gerechtigkeit bringen wird. Davon singen sie. Mindestens am Schabbat. Wenn die Welt zur Ruhe kommt. Wenn auch Deine Welt zur Ruhe kommt. Wenn die Sonne den Fluss zum Glänzen bringt und alle Last leichter wird. Übrigens beginnt der Sabbat ungefähr jetzt, wo es dunkel wird.

Die Frauen freuen sich, als Lydia kommt, denn sie ist, wie es in der Apostelgeschichte heißt, „gottesfürchtig“.

Und da draußen begegnet sie eines Tages einem Mann, auch ein Jude, der von einem anderen erzählt namens Jesus Christus. Eine unglaubliche Geschichte hört sie da. Für sie ist das alles neu, und sie hört genau zu, behält alles, was dieser Mann sagt. Es dauert nicht lange, da fragt sie ihn, ob sie denn zu diesem Jesus Christus gehören dürfe, sie glaube, dass er der Sohn Gottes sei und den Tod besiegt und die Versöhnung mit Gott erwirkt habe. „Ja“, sagt Paulus, das ist der besagte Mann, und tauft Lydia. Damit ist sie der erste Mensch in Europa, von dem wir wissen, dass er sich hat taufen lassen.

Seitdem sind viele hinzugekommen, Ihr auch. Worauf ich Euch jetzt hinweisen möchte, ist, wie Lydia mit ihrer Taufe umgeht. Sie konnte ja zu sich sagen: „Gut, jetzt gehöre ich dazu. Wer weiß, wofür’s gut ist. Dabei belasse ich’s.“ Dann hätte sie sich nicht weiter darum gekümmert und hätte den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Macht sie aber nicht. Offenbar hat sie verstanden, dass mit der Taufe eine Beziehung verbunden ist, eine Beziehung zwischen Gott und ihr. Aus dem Geschäftsleben weiß sie, Beziehungen muss man pflegen, sonst gehen sie ein.

Du brauchst Dich nicht taufen lassen und Du brauchst Deine Taufe nicht bestätigen, wie Ihr das morgen bei Eurer Konfirmation vorhabt, wenn Dir das alles im Grunde gleichgültig ist, wenn Du nicht entschlossen bist, die Taufbeziehung zu Gott zu pflegen.

Lydia weiß das und wagt einen für die damalige Zeit ausgesprochen mutigen und ungewöhnlichen Schritt. Offenbar kann man das, wenn man glaubt und dieser Gemeinschaft der Gläubigen angehört. Sie sagt: „Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da“ [Apg 16,15].

Sie, als Frau, das ist damals der Gipfel der Ungewöhnlichkeit, spricht Paulus und seine Begleitung an – es sind Männer – und fordert sie auf zu bestätigen, was eben durch die Taufe zum Ausdruck: Lydia glaubt an Jesus und gehört zu ihm und seiner Gemeinschaft.

Lydia lädt ein. Es ist ihr wichtig, Paulus und seine Leute zu beherbergen. Sie schafft Zugehörigkeit, indem sie ihr Haus öffnet. Sie hat Heimat bei Jesus gefunden und will dieses Wissen mit anderen teilen, die zur Gemeinschaft Jesu gehören.

Das ist bis heute ein Grund, warum wir zum Beispiel hier im Haus zusammenkommen. Jeden Sonntag. An den kirchlichen Feiertagen aber auch unter der Woche in Gruppen und Kreisen. Was uns verbindet, das feiern wir nicht zuletzt im Abendmahl. Es ist die Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gottesdienste zur Konfirmation am 3.10.2020 – 9/10/11/12 h
Text: Jakobus 1,12
Thema: Ihr tragt den Kranz
Ev. Emmausgemeinde Eppstein
Pfarrer Moritz Mittag

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

„Es kütt, wie es kütt“, sagt der Kölner. Und Luther formuliert: „Mit unsrer Macht ist nichts getan“. Eine gewisse Unwägbarkeit hat auch der Ausspruch „Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand“ im Sinn.

Seit März lernen wir, dass unser Planen, Wollen und Wirken Faktoren unterworfen ist, die wir nicht selbst bestimmen. „Es kütt, wie es kütt.“ So alt das Phänomen auch ist, für uns war es neu. Das hat uns eine Menge gekostet und kostet noch nicht nur finanziell, wenn wir an die Verschuldung der öffentlichen Hand denken, sondern auch ideell. Ein Leben auf Distanz widerspricht nun mal unseren innersten Bedürfnissen. Wir wollen zueinanderkommen, wir wollen umarmen, streicheln und küssen. Es fehlt uns viel auch hier im Gottesdienst, wenn wir in der Vermeidung von Infektionsbrücken bei allem auf Abstand bleiben, wenn wir schweigen, statt zu singen.

Am deutlichsten wird mir der Verlust an Beziehungsqualität beim Blick auf die Kinder, auf die Kranken und auf die Alten. Sie alle sind, wie andere kaum auf Nähe angewiesen.

Und um das Maß noch voll zu machen: Ausgerechnet in einer Situation, in der unser Planen und Wollen so oft in Vergeblichkeit endet, müssen wir um so mehr planen, vorkehren, vorausschauend handeln. Ich sage nur „Sitzplan“.

Uns alle strengt das an. Die Unwägbarkeit und die anhaltende, aber unsichtbare und wenig greifbare Gefahr. Wir erleben, wie es im Jakobusbrief genannt wird, eine Anfechtung.

Solche und ähnliche Erfahrungen gehören zum Leben. Ich er-innere an die vielen Biografien unserer Zeit, die von Flucht und Vertreibung geprägt sind. Was ist in solchen Situationen sicher außer der Unsicherheit?

Zu den Kräften oder Ressourcen, die uns jetzt halten und immer wieder aufrichten können, gehört das tiefe Vertrauen darauf, dass es am Ende gut wird, das doch viele von uns von Kindesbeinen an in sich tragen. Manche trägt dieses Vertrauen durch das ganze Leben. Und es gelingt ihnen, weil sie ihren Anker jenseits alles dessen haben, was in ihrer bzw. unserer Macht steht. Sie halten sich zu Gott. Getauft, mit ihm im Bündnis durchschreiten sie die grünen Auen und die dunklen Täler ihres Lebens.

Das macht die Geschichte unseres Lebens nicht leichter und unbeschwerter, es lässt uns aber eine gewisse Leichtigkeit und Unbeschwertheit – Mut und Hoffnung – gewinnen und das nicht nur auf hoher See und vor Gericht, sondern im ganzen Leben.

Als Zeichen empfängt der Gewinner in der Antike einen Kranz. Darauf spielt auch der Jakobusbrief an: „Selig ist, wer Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn liebhaben“ [Jakobus 1,12].

Im Lateinischen ist das Wort für Kranz „Corona“. Und „Corona“ haben wir früher die Gruppe von Freunden genannt, mit der wir um die Ecken gezogen sind. Heute werdet Ihr konfirmiert und bestätigt Eurerseits, dass Ihr zu Gott, zu Jesus Christus gehören wollt – ihr seid Teil seiner „Corona“.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.